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Es ist unwahrscheinlich, dass es je wieder jemand wie J.R.R. Tolkien geben wird
- ein modernen Klassiker

- Daily Telegraph -



LEBENSLAUF

VORWORT

J.R.R. Tolkien ist unumstritten der bekannteste und beliebteste Fantasy-Autor. Mit seinen berühmten Werken hat er eine neue Ära eröffnet und die Literaturwelt entscheidend und nachhaltig geprägt. Alles, was er erschuf, ist heute ein fester Bestandteil dieses Genres geworden. Wer von Fantasy spricht, denkt dabei automatisch an geheimnisvolle Elfen, emsige Zwerge, weise Magier, niederträchtige Orks, stolze Herrscher, glorreiche Schlachten, schreckliche Drachen und mittelalterliche Welten. Ohne Tolkien gäbe es nicht die heutige Auffassung von Fantasy, und auch in vielen anderen Bereichen kann man seinen Einfluss erkennen: So diente seine imaginäre Welt vielen Filmen, Computerspielen und natürlich Rollenspielen als Vorbild.
Auch wenn einige mir in dieser Hinsicht widersprechen werden, ist Tolkien meiner Meinung nach der unangefochtene und unerreichbare Meister der Fantasy-Literatur. Nach dem "Herr der Ringe" gab es zwar neben den unzähligen billigen Imitationen auch viele andersartige und innovative Werke, doch keiner erreichte bisher nur annähernd dessen Klasse. J.R.R. Tolkien gilt damit nicht umsonst als der erste und beste Fantasy-Autor aller Zeiten!


BIOGRAPHIE

Schwere Kindheit (1892-1907)

Der englischstämmige John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3.1.1892 in Bloemfontein im Oranje-Freistaat, Südafrika, geboren, wo sein Vater Arthur kurz zuvor eine Stelle als Bankangestellter angetreten hatte. Seine Mutter Mabel Suffield war im März 1891 ihrem Verlobten in das fremde Land gefolgt und hatte ihn dort am 16. Tag des folgenden Monats geheiratet. Nach einer kurzen Hochzeitsreise begann sich das junge Ehepaar unter großen Unahnnehmlichkeiten in der kleinen Hauptstadt des Oranje-Freistaats inmitten der südafrikanischen Wildnis einzuleben. 1894, nur zwei Jahre nach ihrer ersten Schwangerschaft, gebar sie ihm dann einen zweiten Sohn namens Hilary. Es heißt, dass Klein-Tolkien in seiner frühesten Kindheit eine unheimliche Begegnung mit einer haarigen Riesenspinne gehabt hat, die seine späteren Werke in gewisser Hinsicht beeinflussen sollte.
1895 verließen die Kinder und ihre Mutter Südafrika, da sie mit dem dort vorherrschenden extremen Klima nicht zurechtkamen, und kehrten zur Erholung nach England zurück. Arthur musste bleiben, da er seine Karriere nicht vernachlässigen konnte, wollte jedoch bald nachkommen. Tragischerweise erkrankte er überraschend an rheumatischem Fieber und verstarb am 15.2.1896 ohne seine junge Familie noch einmal sehen zu können.
Diese musste sich nun ohne ihn durchs Leben schlagen und aufgrund des Geldmangels in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Dorf namens Sarehole in der Nähe von Birmingham leben. Hierbei lernte der junge Tolkien die idyllische englische Landschaft kennen, die er dann für sein ganzes Leben fest in sein Herz schloss. Ebenso vergass er nie den bösen Müller von Sarehole, den er später in seine Werke einfügen sollte. Fortan sollte er immer zwischen grundsätzlich verschiedenen zwei Welten leben: Die ländlichen West Midlands auf der einen Seite und die dunkle, industriell geprägte Metropole Birmingham auf der anderen.
Bis 1900 wurden sein kleiner Bruder und er von der Mutter unterrichtet, unter anderem in Latein, Französisch, Klavierspiel und Botanik. Der schwere Verlust ihres Ehegatten und die schwierige Situation führten dazu, dass sich Mable Suffield zur Jahrhundertwende der katholischen Kirche zuwand, die ihr Trost und Geborgenheit zu vermitteln schien. Dies war nicht unproblematisch im überwiegend protestantischen England und führte zu gesellschaftlicher Ächtung und Konflikten mit der eigenen Verwandtschaft.
Ende 1900 zog die Familie nach Moseley, einem Vorort von Birmingham, da sich Ronald nach einem gescheiterten ersten Versuch im Vorjahr nun erfolgreich für die King Edward's School beworben hatte und eine bessere Bahnanbindung benötigte, um sie besuchen zu können. Damals sieht er zum ersten Mal Kohlenwaggons aus Wales, deren fremdartigen Schriftzüge ihn sofort in den Bann ziehen und den Beginn seiner Leidenschaft für Sprachen und Schriften markieren sollten.
1901 zieht die Familie von Moseley hinter den Bahnhof von King's Heath, und kurze Zeit später in die Oliver Road in Edgbaston, gleich neben der Birmingham Oratory. Um Geld zu sparen besuchen die Gebrüder Tolkien die St. Philipp's Grammar School. Die seelisch von Sorgen und Nöten gebeutelte Familie wird von den dortigen Priestern betreut. Dabei lernen sie den spanisch-walisisch-stämmigen Pater Francis Xavier Morgan kennen, der sich besonders stark um sie bemüht.
1903 erhält J.R.R. Tolkien ein Stipendium für die King Edward's School und kehrt mit diesem im August an diese Schule zurück. Dort lernt er Griechisch und macht Bekanntschaft mit mittel- und altenglischen Schriften, wie z.B. Chaucers "Canterbury Tales", die ihn stark beeinflussen sollten. Damals entdeckt er auch seine Vorliebe für die Sprachgeschichte und -entwicklung und sein großes linguistisches Talent. Später lernt er unter anderem Latein, Altenglisch, Finnisch, Griechisch, Walisisch und Altwalisisch. Und schon während seiner Schulzeit beginnt Tolkien zum Spaß eigene Sprachen zu entwickeln.
Im Winter 1903/1904 erkranken die Tolkien Brüder an Keuchhusten und müssen von ihrer Mutter gesundgepflegt werden. Die schwere zusätzliche Belastung für Mabel zehrt an ihren Kräften und führt dazu, dass sie April 1904 in ein Krankenhaus eingewiesen werden muss. Man diagnostiziert bei ihr Diabetes, eine damals nicht behandelbare Krankheit. Nach mehreren Besserungen und einem Umzug im Sommer nach Rendal fällt sie Anfang November in ein Koma und verstirbt schließlich am 14.11.1904. Die beiden zurückbleibenden Waisen werden bei ihrer Tante Beatrice Suffield in der Stirling Road untergebracht und von Pater Francis Xavier Morgan aufgezogen. Dieser war für sie schon seit langem eine Art Ersatzvater, sowie ein geistiger Führer und Lehrer.


Studium, Krieg und Verschollene Geschichten (1908-1918)

1908 ziehen die beiden Jungen als Pflegekinder zu den Faulkners in die Duchess Road. Dort lernt John im Alter von 16 seine große Jugendliebe Edith Bratt kennen, eine 19-jährige, die ebenfalls bei den Faulkners wohnt. Im darauffolgenden Jahr wird seine Bewerbung um ein Stipendium für Oxford abgelehnt, außerdem erfährt zu dieser Zeit auch Pater Francis Xavier Morgan von seiner Beziehung zu Edith. Diese erweist sich als problematisch, da sie zum einen protestantischen Glaubens ist und ihre Liebschaft gegen die katholische Erziehung spricht.
1910 ziehen John und Hilary um. Er trifft sich noch immer mit Edith, doch bald wird ihm daraufhin jeder Umgang mit ihr untersagt. Im März müssen sie sich gezwungermaßen voneinander trennen, da sie nach Cheltenham zieht und John endlich ein Stipendium für das Exeter College in Oxford erhält. Im Sommer beendet er seine Schulzeit und begibt sich auf eine kleine Reise in die Schweiz. Für Tolkien ist dies der erste Auslandsaufenthalt und er zeigt sich bei seinen Wanderungen stark beeindruckt von der Gewaltigkeit der Alpen. Diese Impressionen sollte er später bei der Formung seiner Fantasiewelten verwenden.
Im Herbst beginnt sein erstes Semester in Oxford und damit seine vielversprechende Studienzeit. Zu Weihnachten kehrt John nach Hause zurück und spielt bei einer Aufführung von Sheridans "Nebenbuhler" seiner alten Schule mit. Zu seinem 21. Geburtstag gibt es für ihn endlich ein Wiedersehen mit Edith Bratt. Kurze Zeit später besteht er die Honour Moderations und erhält für seine Leistungen den "Second Degree".
Bei seinen Studien stößt Tolkien im altenglischen Gedicht "Crist of Cynewulf" auf die faszinierenden kryptischen Verse Eálá Earendel engla beorhtast - Ofer middangeard monnum sended. Übersetzt bedeutet dies soviel wie Heil Earendel, hellster aller Engel - Über Mittelerde den Menschen gesandt. "Middangeard" ist eine uralte Bezeichnung für die reale Welt zwischen Himmel und Hölle. Dieser Spruch beeinflusst Tolkien nachhaltig bei seinen ersten Versuchen eine fiktive Fantasiewelt voller Schönheit und Glanz zu kreieren.
Im Sommer von 1913 beginnt er mit dem Studium der englischen Sprache und Literatur und begibt sich mit zwei Mexikanern auf eine Studienreise nach Dinard in Frankreich. Sein Zeit dort verläuft nicht so gut, was seine latente feindliche Einstellung gegenüber alles Französische noch verstärken sollte. Am Ende des Jahres zieht Edith nach Warwick und tritt der katholischen Kirche bei, um dem Spannungskonflikt durch ihre verschiedenen Konfessionen ein Ende zu setzen, und lässt sich daraufhin auch mit John verloben.
Als der Erste Weltkrieg ausbricht, hält sich Tolkien in Cornwall auf. Er beschließt, im Gegensatz zu den meisten Altersgenossen, zunächst nach Oxford zurückzukehren, sein Studium zu beenden, und erst anschließend seinem Vaterland zu dienen. Im Sommer 1915 schließt er seine Ausbildung nach harter Arbeit erfolgreich ab und erhält den "First Degree". Zu dieser Zeit macht er große Fortschritte in der Entwicklung einer eigenen Sprache, die er "Qenya" nennt, und welche stark vom Finnischen beeinflusst ist.
Anschließend erfolgt die Einberufung zu den Lancashire Fusiliers, inklusive einer militärischen Ausbildung in Bedford und Staffordshire. Während dieser eher ereignislosen Zeit des Wartens auf den Abmarschbefehl, arbeitet Tolkien an seinen Ideen für die Geschichte von "Earendel dem Seefahrer", der sich in einen Stern verwandelt. Schließlich ruft ihn das Vaterland, doch bevor er in den Krieg zieht, will er noch eine Sache vollenden: Am 22.3.1916 heiratet er seine Verlobte Edith Bratt, die daraufhin nach Great Haood zieht.
Juni 1916 wird Tolkien nach Frankreich eingeschifft. Er dient als Unterleutnant des 11. Bataillons der Lancashire Fusiliers und gehört zu den Überlebenden der mörderischen Schlacht an der Somme. Im folgenden Kriegsherbst fungiert er als Meldeoffizier an der Front. Zum Jahresende hin erkrankt er an einem Typhus-ähnlichen Fieber und muss ins Lazarett eingeliefert werden. Schwerkrank wird er daraufhin im November nach England zurückgeschickt, wo er zunächst in einem Birminghamer Krankenhaus bleiben muss. Erst im neuen Jahr darf er dann zur Genesung seinen Urlaub bei seiner Frau in Great Haood verbringen. Er bleibt dort im Januar und Februar und beginnt das "Buch der Verschollenen Geschichten" niederzuschreiben, das später die Grundlage für das "Silmarillion" sein sollte. Frühjahr 1917 wird er nach Yorkshire versetzt, doch aufgrund seiner anhaltenden Krankheit verbringt er die meiste Zeit des Jahres im Hospital. Im November wird sein erster Sohn geboren, der auf den Namen John Francis Reuel getauft wird. Sein Vater wird zum Leutnant befördert und arbeitet als Ausbildungsoffizier in der Humber Garnison von Staffordshire. Dort bleibt er schließlich bis zum Kriegsende.
Der mörderische Krieg kostet zwei der drei besten Freunde Tolkiens das Leben. Zum Teil um seine Kriegserlebnisse zu verarbeiten, arbeitet Tolkien in diesen Jahren verstärkt an seinen Geschichten. All jene Rohentwürfe der Sagen und Legenden, die später zum "Silmarillion" führen sollten und in den "Verschollenen Geschichten" nachzulesen sind, entstanden zu jener Zeit: Geschichten von Elben, Gnomen und ihren Sprachen Qenya und Goldogrin, sowie erste Niederschriften vom Krieg gegen Morgoth, von der Belagerung und dem Fall Gondolins, von Turin und der Liebesgeschichte von Beren und Lúthien.
Letztere Erzählung erfährt durch ein romantisches Erlebnis eine ganz besondere Beeinflussung: Im Sommer 1917 besucht Edith ihn in Hull und führt bei einem Waldspaziergang einen spontanen Tanz vor seinen Augen auf. Fortan sieht Tolkien in seiner Fantasie sich selbst als "Beren" und Edith als seine "Lúthien".


Professor, Familienvater & Geschichtenerzähler (1919-1955)

Nach dem Ersten Weltkrieg zieht Tolkien mit seiner Familie wieder nach Oxford und arbeitet dort zwei Jahre am "Oxford New English Dictionary" mit. Bei einer günstigen Gelegenheit trägt Tolkien dem Exeter College Essay Club die Geschichte von Gondolins Fall vor. Das Publikum, das unter anderem die zukünftigen "Inklings" Hugo Dyson und Neville Coghill beinhaltet, nimmt das Werk ihres Vorlesers interessiert auf. Zu dieser Zeit beginnt Tolkien auch damit, als Privatlehrer zu arbeiten und wohnt mit seiner Familie in der Alfred Street 1.
Später bewirbt er sich erfolgreich um eine Stelle an der Universität von Leeds und wird daraufhin zum Lektor für englische Sprache ernannt. Im Herbst des Jahres 1920 beginnt er dort mit seiner Arbeit. Im Oktober folgt die Geburt seines zweiten Sohns Michael Hilary Reuel. Im nächsten Jahr folgen ihm Edith und die Kinder nach Leeds und ziehen in das Haus St. Mark's Terrace 11.
1922 übernimmt E. V. Gordon den Dozentenposten in Leeds und arbeitet zusammen mit Tolkien an dem berühmten "Sir Gawain and the Green Knight". Beide gründen währenddessen den "Viking Club", eine Vereinigung für Studenten, die sich am liebsten mit alten nordischen Sagen und dem Trinken von Bier beschäftigen. Für diesen Club verfassen sie dann auch gemeinsam die "Songs for the Philologists", eine Sammlung von traditionellen Liedern, deren Verse von ihnen ins Altenglische oder Gotische übersetzt wurden. Nebenbei fährt Tolkien damit fort, seine Geschichten und die Elbensprache weiter auszuarbeiten und zu verfeinern.
1924 geht es steil aufwärts in Tolkiens Karriere. Er wird mit 32 Jahren - für englische Verhältnisse sehr früh - zum Professor für englische Sprache ernannt und kauft sich ein Haus in der Darnley Road. Zum beruflichen Erfolg kommt zudem im selben Jahr noch das familiäre Glück: Sein dritter Sohn, Christopher Reuel, erblickt das Licht der Welt. Im folgenden Jahr wird der "Sir Gawain" veröffentlicht, der sich als ein äußerst gelungenes Werk herausstellt. Daraufhin erhält Tolkien im Sommer den freigewordenen Posten des Rawlinson- und Bosworth-Professors für angelsächsische Sprache in Oxford. Er nimmt die Stelle im Herbst an und zieht Anfang 1926 mit seiner ganzen Familie in das neue Haus mit der Nummer 22 in der Northmoor Road. Tolkien profiliert sich in den folgenden Jahren als kompetenter Hochschullehrer und unglaublich kenntnisreicher Erforscher der Wortgeschichte der Mythologie. Dennoch wird er zu keiner besonders herausragenden Persönlichkeit an der Universität. Er schreibt während seiner Amtszeit erstaunlicherweise nur sehr wenige fachbezogene Abhandlungen, von denen die Lektürenanalyse "Beowulf, the Monsters and the Critics" wohl am bekanntesten und einflussreichsten sein dürfte. Später begründet er zusammen mit einigen gleichgesinnten Oxforder Freunden die "Inklings"-Gruppe, der auch prominente Namen wie die zuvor angesprochenen Dyson und Coghill, Owen Barfield, sowie ein gewisser C.S. Lewis, der bald zum besten Freund Tolkiens werden sollte, angehören. Die "Inklings" treffen sich in der Folgezeit regelmäßig zu Diskussionen, Trinkgelagen, und gegenseitigen Vorlesungen aus den jeweiligen aktuellen eigenen Werken.
1929 wächst die Familie um eine weiteres Mitglied an: Die Tochter Priscilla wird geboren. Im darauffolgenden Jahr müssen die Tolkiens vermutlich aus Platzgründen umziehen, doch sie finden nur zwei Häuser weiter eine geeignetere Bleibe. Es wird bei ihm zur Tradition, seinen Kindern zu Weihnachten Briefe vom Weihnachtsmann zu schreiben und Gutenachtgeschichten für sie zu erfinden. Seine märchenhaften Werke wie "Roverandom" und "Ms. Bliss" sollten jedoch erst nach seinem Tode veröffentlicht werden. 1930 beginnt Tolkien infolgedessen auch mit seiner ersten Niederschrift des "Kleinen Hobbits", der ursprünglich nur für seine vier Kinder gedacht ist, kommt jedoch nicht dazu die Geschichte zu vollenden, und muss dieses Projekt schon nach einiger Zeit wieder fallenlassen.
Seinen eigenen Angaben zufolge, erhielt er die zündende Inspiration für den "Hobbit" von einem sinnlosen Satz, den er bei der Korrekturarbeit auf einem Blatt eines Schülers entdeckt hatte. Dieser lautete: In a hole in the ground there lived a Hobbit (übersetzt: In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit). Dies beschäftigte in nachhaltig, und so begann er sich Gedanken darüber zu machen, was ein Hobbit sei, in was für Höhlen sie lebten, usw. usf.
Susan Dagnall vom Verlag George Allen & Unwin gelangt eher zufällig an sein unfertiges Manuskript zum "Hobbit", und überredet ihn danach dazu, die Erzählung zu Ende zu schreiben. Sie präsentiert dem Verlagsleiter Stanley Unwin die Geschichte, der sie an seinem 10-jährigen Sohn Rayner ausprobiert. Da dieser sich davon begeistert zeigt, nimmt der Verlag das Angebot an und veröffentlicht den "Kleinen Hobbit" im Herbst 1937. Der Verleger befragt Tolkien aufgrund des sich schnell abzuzeichnenden Erfolgs nach weiteren ähnlichen Erzählungen.
Zu diesem Zeitpunkt glaubt Tolkien, dass seine alten Geschichten ausreichend ausgearbeitet sind, um sie nun zu veröffentlichen, und stellt Stanley Unwin einige davon vor. Der Verleger lässt sie erneut zunächst einmal probelesen, erhält diesmal jedoch eher kritische Stimmen. Die Meinungen über Tolkiens Werke (darunter auch "Beren & Lúthien") sind eher gemischt: Die Gedichte missfallen überwiegend, während die Handlung dagegen schon eher überzeugen kann. Dennoch kommt man insgesamt zu dem Schluss, dass sich eine Veröffentlichung wohl kaum rentieren würde und drängt Tolkien zu einer Fortsetzung des "Hobbit". Dieser ist zwar zweifellos enttäuscht über die offentsichtliche Ablehnung seines Materials, erklärt sich aber trotzdem dazu bereit, einen Nachfolger zu schreiben.
Zwei Jahre nach der Premiere des "Hobbits" hält Tolkien einen Vortrag über Märchen an der St. Andrew's University. Zum Beginn des Zweiten Weltkriegs kommt der bekannte Autor Charles Williams nach Oxford und schließt sich der "Inklings"-Gruppierung an. Für die Familie Tolkien ist die kommende Epoche eine Zeit des Wandels und der Veränderungen, denn nach und nach werden die vier Kinder volljährig und gehen ihre eigenen Wege: Der älteste Sohn John beschließt nach seiner Volljährigkeit Pfarrer zu werden, während seine beiden Brüder der Royal Air Force beitreten und gegen Nazi-Deutschland in den Krieg ziehen. Nach ihrem Militärdienst bereiten die beiden ihre eigene Karriere vor: Michael wird zu einem Schulleiter, während Christopher das Lektorenamt an einer Universität bekleidet. Ihre Schwester Priscilla wird als Sozialarbeiterin tätig.
Am Ende der schrecklichen Kriegsjahre wird ihr Vater schließlich zum Merton-Professor für englische Sprache und Literatur gewählt. 1947 zieht er mit seiner Frau in die Manor Road um.
Es sollte insgesamt sechzehn turbulente und komplizierte Jahre benötigen, bis der "Der Herr der Ringe" endlich vollendet ist. Dem Diplomatiegeschick des mittlerweile erwachsen gewordenen Rayner Unwin ist es zum Teil zu verdanken, dass der Roman überhaupt veröffentlicht werden kann. Die Firma seines Vaters kann nämlich erst nach langen Verhandlungen dazu gebracht werden, das Risiko auf sich zu nehmen und damit eventuell große Verluste einzufahren. Tolkien bietet sein Manuskript auch dem konkurrierenden Collins Verlag an, doch dieser lehnt es aufgrund der hohen Kosten und der unprofitabel erscheinenden Thematik ab. Es scheint, als ob die Verlage und auch der Autor selbst das Potenzial des Epos immens unterschätzten.
Während der Jahre des Schaffens sind die Tolkiens erneut mehrmals umgezogen - zuerst in die Holell Street, 1953 dann in die Sandfield Road im Oxforder Vorort Headington.
1954 findet schließlich die große Premiere statt: Die beiden ersten Teile der "Herr der Ringe"-Trilogie werden veröffentlicht. Die US-Rechte erhält der Verlag Houghton Mifflin. Ein neues Kapitel in Tolkiens Leben sollte nun beginnen, denn nach der Veröffentlichung des dritten Bandes im Jahre 1955 geht er in den Ruhestand und beendet damit offiziell seine langjährige anerkannte Arbeit als Oxford-Professor.


Der Weg zu ewigem Ruhm (1956-1973)

"Der Herr der Ringe" wird sehr schnell bekannt. Es gibt viele unterschiedliche Kritiken, die von Begeisterungsstürmen (C.S. Lewis, W.H. Auden) bis hin zu niederschmetternden Verrissen (E. Wilson, E. Muir, P. Toynbee) reichen. In einer Zeit, in der das Radio noch das wichtigste Massenmedium ist, lässt BBC eine 12-teilige Hörspiel-Version des Romans inszenieren, was natürlich zu einer nochmals verstärkten Publikmachung des Titels führt. Die Verkaufszahlen sind enorm hoch, so dass Tolkien seine frühe Pensionierung nicht bereuen muss.
1959, der Erfolg des "Herr der Ringe" hält weiter an, lässt Tolkien "The Adventures of Tom Bombadil" und "Tree and Leaf" veröffentlichen. Einige Jahre später erscheint in den USA eine von Ace Books vertriebene und unautorisierte Taschenbuchausgabe des "Herr der Ringe". Dies stellt sich als der entscheidende Funke heraus, der zum gigantischen Welterfolg des Romans führen sollte, denn zum einen erreicht man nun mit der Taschenbuchausgabe auch die Spontan- und Gelegenheitsbuchkäufer, und zum anderen werden jetzt viele Amerikaner durch die Debatte um die Urheberrechte erst richtig auf den ausländischen Bestseller aufmerksam gemacht.
Eine wahre Kultbewegung entsteht infolgedessen unter den amerikanischen Studenten und breitet sich zu einer großen Welle der Anhängerschaft aus. Dieser Tolkien-Kult schwappt im Laufe der folgenden Jahre auf Europa, vor allem Deutschland, und den Rest der Welt über. In den turbulenten 68er ist der "Herr der Ringe" längst so etwas wie eine Bibel für die rebellierenden Studenten.
Diese unvorhergesehene Entwicklung führt bei Tolkien zu gemischten Gefühlen: Einerseits ist er nun erfolgreich und relativ reich, andererseits führt der Ruhm zu den üblichen Unannehmlichkeiten. Fans belagern sein Haus, rufen ihn mitten in der Nacht an und propagieren die Kombination von "Herr der Ringe" und LSD als die ultimative Realitätsflucht.
1965 zieht Tolkien daher mit seiner Ehegattin in die Lakeside Road in Poole, in der Nähe von Bournemouth, und hält seine Telefonnummer geheim. 1971 erfolgt dann jedoch ein schwerer Schicksalsschlag, als Edith Tolkien im November im Alter von 82 Jahren stirbt.
Vereinsamt und des Rummels um seine Person überdrüssig, kehrt Tolkien zwei Jahre später nach Oxford zurück und wohnt fortan in den Räumen des Merton College. In der nun folgenden Zeit arbeitet er weiter intensiv an der Geschichte von Mittelerde. Die britische Queen verleiht ihm derweil einen Orden, während die Oxforder Universität ihn mit einem Ehrendoktorat der Literaturwissenschaft auszeichnen lässt.
1973 erkrankt Tolkien und muss in eine Klinik eingeliefert werden. Er stirbt in den frühen Morgenstunden des 2. Septembers im Alter von 81 Jahren. Sein Lebenswerk bleibt unvollendet, doch er hinterlässt Unmengen an unfertigen Texten, Notizen und Manuskripte, die sein Sohn Christopher später in aufgearbeiter Form der Öffentlichkeit präsentieren sollte. Das "Silmarillion", die "Nachrichten aus Mittelerde", sowie die 12 Bände der Buchreihe "Verschollene Geschichten" sind das Ergebnis dieser Bemühungen.
Tolkien und seine Ehefrau sind im katholischen Bereich des Wolvercote Friedhofs in Oxford begraben. Auf dem gemeinsamen Grabstein steht geschrieben:



EDITH MARY TOLKIEN
LUTHIEN
1889-1971

JOHN RONALD
REUEL TOLKIEN
BEREN
1892-1973

Mögen sie beide in Frieden ruhen, und möge, frei nach Tolkien, ihr Grab bis zum Ende dieses Zeitalters und darüber hinaus bestehen bleiben, auch wenn die Lande ringsum schon längst untergegangen und in das Meer des Vergessens versunken sind.


WISSENSWERTES

- Von seinen drei Vornamen war ursprünglich "Ronald" der gebräuchliche Rufname. Von seinen Freunden wurde er "Tollers" genannt.
- Es wird vermutet, dass Tolkien germanisch-deutscher Abstammung war, denn die Ähnlichkeit seines Familiennamens mit dem hochdeutschem Begriff "tollkühn" ist bestechend. Vermutlich hat er väterlicherseits Vorfahren, die im 18. Jahrhundert aus Sachsen nach England eingewandert sind.


LITERATURHINWEISE

J.R.R. Tolkien - Eine Bibliographie (1979)



ISBN
3-608-93431-6

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Humphrey Carpenter, ein guter Freund von Tolkiens Sohn Christopher, der ihn dabei auch stark unterstützt hatte, schrieb dieses Buch über das Leben und die Person des großen Fantasy-Autoren. Als Grundlage standen ihm die gesammelten Briefe und die Notizen Tolkiens zur Verfügung, der zu Lebzeiten das Bedürfnis seiner Fans nach mehr Informationen über sein Leben letztendlich doch noch anerkannt hatte.
Carpenter ist es damit zweifellos gelungen, eine ausführliche und hochinteressante Biographie über J.R.R. Tolkien zu verfassen, die jedem wärmstens zu empfehlen ist, der wissen möchte was für ein Mensch dahinter steckt.




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