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KOPPMATSCHA

Oberst Xarion kniff die Augen zusammen, als ob die bloße Geste ihm ermöglichen würde, durch den Sand, der durch den Sturm aufgewirbelt worden war, hindurchzustarren. Krothax war eine elende Dreckskugel. Egal, ob das Oberkommando die Manufakturen von Krothax Tertius für kriegswichtig hielt, für Xarion stand fest, dass das alles hier umsonst war. Falls die Grünhäute entscheiden sollten, die Fabriken einzunehmen, würde die E-Kompanie des 132. Cadianischen sie garantiert nicht aufhalten. Nach allem, was er an Gerüchten von den Männern gehört hatte, waren die Orkstreitkräfte den Imperialen Truppen auf Korthax mindestens fünf zu eins überlegen. Soweit Xarion gehört hatte, waren die Abwehrschlachten bisher unerwartet gut verlaufen, doch das nur, weil die Xenos ohne Ziel vorzugehen schienen. Das konnte natürlich nur solange weitergehen, bis diese Wilden sich vereinigen würden. Er hatte in der Cadianer Militärakademie gelehrt bekommen, dass die Grünhäute sich oft gegenseitig bekriegten und nur selten koordinierte Angriffe unternahmen. Diese Tatsache schien Krothax bisher davor bewahrt zu haben, überrannt zu werden, doch früher oder später, da war Xarion insgeheim sicher, würden die Xenos die Imperialen Truppen hinwegfegen.

Keine zwei Stunden später heulten die Alarmsirenen auf und das Vox-Netz erwachte zu hektischer Aktivität. Die Sensoren der Makropole hatten den Landeanflug einer gigantischen Armee der Orks registriert. Selbst laut optimistischen Schätzungen kamen auf jeden der 2,300 Mann der E-Kompanie zehn Grünhäute. Lauter Donner ertönte, und der Himmel über der Aschewüste vor der Makropole erhellte sich feuerrot, als die Xenos das Feuer aus dem Orbit eröffneten. Doch das erste Geschoss, das in einer Fontäne aus Staub und Erde einschlug, war keine Orkbombe, sondern ein blaues, ungefähr 7 Meter hohes Metallobjekt, dessen Flanken sich mit einem lauten Knall öffneten. Noch während die ersten Explosionen weit entfernt von den Schützengräben ertönten, rannten an die zehn Krieger in blauer Rüstung aus dem Gefährt. "Space Marines", wurde Xarion klar. Die riesenhaften, massiv gebauten Gestalten mit den überdimensionierten Boltgewehren kannte er aus Legenden und Gerüchten und den Buntglasfenstern der Kirchen von Cadia.

"Oberst?" Die tief dröhnende Stimme kam von dem Krieger, den Xarion mit dem Instinkt des Soldaten als den Anführer des Kriegertrupps identifiziert hatte. Er musste sich schwer unter Kontrolle halten, um dem Impuls zu widerstehen, sich niederzuknien. "Ja, mein Herr?" "Sergeant Krathiros von der zweiten Kompanie der Ultramarines. Ich wurde von meinem Lord, Captain Sicarius, hierher gesandt, um ihnen bei der Verteidigung dieser Manufakturien zur Seite zu stehen, im Namen des Imperators." Xarion schlug mit gesenktem Kopf das Zeichen des Aquila. "Ich wurde daser informiert, dass in den hiesigen Hallen des Adeptus Mechanicus eine kriegswichtige Forschung betrieben wird. Es ist unbedingt nötig, dass diese Fabriken gehalten werden!" "Wir werden sie halten, mein Herr!" "Und wir werden euren Männern dabei zur Seite stehen." Mit diesen Worten drehte sich der Riese um und schickte sich an, in Richtung Schützengraben davonzumarschieren. "Mein Herr?" Der Helm mit der schnabelförmigen Spitze wandte sich zu ihm um. "Ja?" "Ich habe von den Space Marines gehört. Dass sie nur in Zeiten größter Not den Dienern des Imperators zur Seite eilen, dass sie in den hoffnungslosesten Schlachten kämpfen. Sagt, Herr, werden wir diese Schlacht überleben? Gibt es überhaupt noch Hoffnung, wenn sogar die Engel des Todes gesandt werden?" "Oberst, der Imperator ist mit uns. Es gibt immer Hoffnung."


Die ersten primitiven Landungsboote der Orks wurden ohne Probleme von den imperialen Abwehrkanonen aus der Luft geblasen. Doch noch während die Trümmer der Schiffe aus dem Himmel fielen, tauchten dutzende, hunderte mehr aus der schmutziggrauen Wolkendecke auf. Xarion lauschte den gebrüllten Predigten von Kaplan Rodioth, der die Moral der Männer ob der scheinbar unmöglich zu überwältigenden Invasionsstreitmacht erhalten musste. Er schrie die eintausend Litaneien des Abscheus und übertönte mit seiner vollen Stimme sogar das Triebwerksdröhnen der Xenosschiffe und das ferne Donnern der Sprengköpfe, die die Angreifer weiterhin auf die geschundene Oberfläche Krothax' herunterregnen ließen. Weiterhin fluteten die kruden Fluggeräte der Orks über den schmutziggrauen Himmel. Die ersten Schiffe landeten bereits. "Krieger von Cadia! Die Babaren sind gekommen, um mit ihren schmutzigen Klauen diese Welt dem Imperium zu entreißen. Die Xenos kommen mit Klingen und Feuer, mit Mord und Blut. Wir aber werden ihnen standhalten, durch die Glut des Glaubens in unseren Seelen, das Licht des Imperators in unseren Herzen und die Kraft der Menschheit in unseren Leibern! Wir werden standhalten, für Cadia, für den Imperator!", brüllte Rodioth, als die ersten Grünhäute aus den Bäuchen der Transporter strömten und auf die Gräben zu hielten.

"Stirb, Abschaum!", brüllte Xarion der Kreatur vor ihm ins Gesicht, während er schoss, und sie starb, die rechte Hälfte des Kopfes kaum mehr als eine blutige, breiige Masse. Neben ihm feuerten die Männer Cadias, bis ihre Magazine leer waren. Immer wieder hatten die Orks ihre Reihen erreicht, und jedes mal waren sie mit massierter Feuerkraft und blankem Stahl zurückgeschlagen worden, doch bei jedem Angriff hatte das seine Kompanie mehr und mehr an Männern eingebüßt. Das Gebiet vor den Schützengräben, die Todeszone, war übersäht mit brennenden Trümmern von Orkvehikeln und unzähligen grünhäutigen Leichen. Doch die Moral der Angreifer war ungebrochen, und ihre Truppenstärke war noch immer immens. Der Oberst drehte den Kopf, um nach den blau gerüsteten Kriegern zu sehen.
Er sah sie inmitten einer grünen Flut, sah, wie sie Orkkörper zerfetzten, Köpfe einschlugen, Gliedmaßen abtrennten. Doch es gab dringenderes zu tun, als der Verkörperung der Wut des Gottimperators dabei zuzusehen, wie sie Seine Feinde richteten. Momentan musste er sich eher darum sorgen, seinen Kopf nicht an die herum fliegenden Kugeln der knatternden Orkwaffen zu verlieren. Xarion presste sich gegen die Grabenwand, hob seine Boltpistole und feuerte blindlings aus der Deckung in Richtung der anstürmenden Horde. Die Lasersalven seiner Männer nahmen noch an Geschwindigkeit und Wildheit zu. Das Knallen der Laserschüsse, die Schreie der Verwundeten und das animalische Gebrüll der Orks vereinte sich zu einer höllischen Kakophonie, die sich in ihrer Intensität steigerte. Der Soldat neben ihm taumelte mit einem überraschten Ächzen rückwärts und sackte zusamnen, sein Hinterkopf als blutige Schweinerei an der rückwärtigen Gabenwand verteilt. Kugeln peitschten über den Graben hinweg und spritzen Staub und Sand auf. Der Oberst zielte sorgsam und blies einer der Bestien mit einer Boltkugel den Schädel weg. Doch es war nicht genug. Für jede Grünhaut, die durch das Feuer des 132. starb, stürmten drei weitere aus den mittlerweile gelandeten Schiffen. Und die grünen Linien nährten sich trotz des dichten Gegenfeuers immer mehr den imperialen Stellungen.


Nach weiteren zehn Minuten todesmutiger Abwehrkämpfe wurden die vordersten Schützengräben von der grünen Flut überrannt. Die disziplinierten Schusswechsel verwandelten sich in verzweifelte Nahkämpfe in den Gräben. Primitive Schwerter und Äxte kreuzten sich mit Kampfmessern und Bajonetten. Blutpfützen durchweichten den sandigen Boden und verwandelten ihn in schmutzig-brauen Schlamm. Primitive Kriegsrufe mischten sich mit Schmerzensschreien und dem Klirren der Waffen. Orkleichen und Imperiale Tote lagen Seite an Seite, in der ewigen Umarmung des Todes vereint. In diesen blutigen Gefechten fiel auch Xarion. Eine Kugel, die von seinem Brustpanzer abprallte, raubte ihm den Atem und warf ihn auf den Rücken. Qualvoll langsam mühte er sich auf die Knie. Nur verschwommen wurde er seiner Umgebung gewahr. Er sah, wie sich die Männer seines Kommandotrupps entschlossen gegen die Angriffe der Grünhäute stemmten und doch innerhalb weniger Augenblicke niedergemacht wurden. Er sah die Männer aus Kaplan Rodioths Trupp einen Vorstoß gegen die grünen Linien führen und eine beachtliche Bresche hineinsprengen, bevor sie von den Überlebenden zerrissen wurden. Er sah die Linien der Rekruten brechen, sah, wie Kommissar Grokul einem der Männer den Schädel wegschoss, doch die Panik der Soldaten war so groß, dass sie den Politoffizier auf ihrer Flucht einfach niedertrampelten. Und er sah die röhrende Kettenwaffe wie in Zeitlupe auf sein Gesicht zukommen, bevor sich der letzte Vorhang um Oberst Xarion der E-Kompanie des 132 Cadia senkte.


Sergeant Krathiros wurde gewahr, wie die Linien der Imperialen Armee erst schwankten und dann brachen. Die grüne Welle überschwemmte die Gräben, metzelte die Soldaten nieder, sprengte die Panzer auf und zerhackte ihre Besatzung. Ihm war bewusst, dass er höchstwahrscheinlich das Ende der E-Kompanie des 132. Cadia mit ansah. Doch all das war nebensächlich. Die Fabriken waren verloren, so viel stand fest, und er konnte nur hoffen, dass die Adepten des Mechanicus' die Forschungsobjekte rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Für Krathiros zählte all das nicht. Seine Primärmission war gescheitert, das konnte er nicht mehr ändern. Er konnte nur noch seine Sekundärmission erfüllen, den Anführer dieser Invasion zu finden und zur Strecke zur bringen. Bruder Crojus war vor wenigen Minuten gefallen, sein Körper durchbohrt von einer grobschlächtigen Klinge. Noch im Fallen begriffen hatte Crojus seinem Mörder drei Boltgeschosse in die Brust geschossen, sodass der Oberkörper der Grünhaut in Fetzen aus Fleisch und Blut explodierte. Vor ihm waren bereits drei der Ordensbrüder aus Krathiros' Trupp den Orks zum Opfer gefallen, jeder ein unersetzlicher Verlust für die Ultramarines. Für jeden gefallenen Bruder waren ein dutzend Xenos gerichtet worden, doch all das schien nicht genug. Die grüne Flut schien endlos. Doch Krathiros hatte noch eine Chance: er hatte vor einigen Momenten die gigantische, muskelbepackte Kreatur erspäht, die die Orks anführte, und seitdem hielt er mit seinem Trupp in diese Richtung und schlachtete sich den Weg durch die Barbaren.

"Für den Imperator!", brüllte er, während er dem nächsten sein Kettenschwert in den Bauch rammte. Er zog es sofort wieder heraus, um die Waffe in einer fließenden Bewegung dem nächsten Alien in den Hals zu rammen. Doch es waren zu viele. Die Grünhäute zogen einen immer enger werdenden Kreis um die überlebenden sechs Ultramarines.Ihre Angriffe wurden noch wilder, noch selbstmörderischer, als sie danach drängten, die mittlerweile letzten Verteidiger von Krothax Tertius abzuschlachten. Der Kampf wurde immer erbitterter, und selbst die Space Marines spürten langsam Ermüdung in ihren Gliedern. Doch dieser Kampf würde nicht mehr lange dauern. Krathiros' übermenschlich scharfe Augen machten im Staub, hinter den Köpfen der Angreifer, eine ungeschlachte Gestalt aus, die auf ihn und seinen Trupp zu hielt. Er schwang sein Schwert in einem Rundumschlag, enthauptete einen der Xenos und schlug einem anderen den Arm ab. Der verwundete Ork zog sich von Krathiros zurück, sodass der eine Atempause erhielt. Dankbar für die Gelegenheit, überprüfte der Sergeant den Zustand seines Trupps. Bis auf ihn war keiner der überlebenden Space Marine unverwundet geblieben.
Krathiros mobilisierte seine Kraftreserven in dem Bewusstsein, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis seine Männer überwältigt wurden, wenn er nicht die Initiative ergriff. Er warf sich wieder in das Getümmel und schlug sich einen blutigen Pfad in Richtung des Anführers der Grünhäute.


"Stell dich, Kreatur! Das Richturteil des Imperators wird durch meine Hand über dich kommen!", schrie der Ultramarine dem unmenschlich muskulösen Ork entgegen, den er nach langer Jagd endlich erreicht hatte. Er war selbst für eine Grünhaut unglaublich muskulös. Seine rechte Hand hielt eine primitive Orkwaffe mit angeschweißtem Flammenwerfer, während die Linke durch eine röhrende Kreissäge und zwei schnappende Klauen ersetzt war. Der Xenos drehe sich zu Krathiros um. "Mistiga Büxnmänsch! Willstä mich etwa moschn? Ich hack dich wech, du kleina schwächlicha Grot!", spie ihm der Ork in seiner dröhnenden Stimme zusammen mit einer Flut von Speichel entgegen. Die sie umgebenden Orks bildeten einen groben Kreis und skandierten immer wieder "Koppmatscha!Koppmatscha!" Mit verächtlicher Mine packte dieser Bruder Forlius, der gerade seinen Bolter auf ihn anlegte, und zerriss ihn mit seiner Kralle in zwei Hälften. Mit eiskaltem Zorn registrierte der Sergeant, wie auch seine Lebensrune auf seinem Retinadisplay erlosch. Damit war er der einzige Überlebende seines Trupps. Wutentbrannt stürmte er auf den Riesen zu, um diese neun getöteten Ordensbrüder zu rächen. "Dafür werde ich dich richten!" "Vasuchs doch, Mickaling!"


Der Sergeant schoss noch im Laufen auf das Alien, die Geschosse jedoch prallten von den Panzerplatten über der grünen Haut ab. Im Gegenzug stürmte auch der Ork auf den Space Marine zu und feuerte den Flammenwerfer an seiner Waffe ab. Eine Flammenwolke raste auf Krathiros zu und verschlang ihn völlig. Lange, qualvolle Sekunden lang fuhren Stöße der Agonie durch sein Nervensystem, während die Systeme seiner Rüstung sich abmühten, die Hitze zu kompensieren. Orientierungslos taumelte er einige Schritte zurück, bevor er sich wieder fing und die Boltpistole hob. Doch es war bereits zu spät; der Ork war bereits zu nah, um ihn noch effektiv treffen zu können, stattdessen hieb er mit dem Kettenschwert nach der Grünhaut. Diese parierte den Hieb mit der Kralle und schlug mit seinem überdimensionierten Gewehr zurück. Der Aufprall der Waffe schleuderte Krathiros zu Boden. Die Schwäche des Astartes spürend, schlug der Waaaghboss mit der Kralle nach ihm und traf ihn in die Schulter. Blut spritzte. Doch die Wunde war nicht tödlich, also konnte sie den Ultramarine nicht aufhalten.. Der Marine richtete sich wieder auf und begegnete dem nächsten Angriff des Orks frontal. Er wich dem ersten Hieb aus, der ihn sonst direkt zweigeteilt hätte, und parierte den nächsten Schlag der Kralle mit seinem Schwert. Doch bevor der Ork seine Kralle erneut schwingen konnte, stieß Krathiros sein Kettenschwert beidhändig in den Rumpf der Kreatur. Die brüllende Waffe fraß sich durch die Panzerplatte auf der Brust der Grünhaut und bohrte sich tief in seinen Körper. Blut und Fleischfetzen wurden durch die Luft geschleudert. Der Hüne senkte den Blick und sah auf das Schwert, das aus seiner Brust ragte und sich immer noch röhrend in seinen Torso bohrte. Dann sah er wieder den Ultramarine an , verzog sein zahnbesetztes Maul zu einem bösen Grinsen, rammte Krathiros das Gewehr gegen die Brust und zog den Abzug durch. Die Kugeln, die aus der Waffe schossen, schlugen Kerben in seine Brustplatte und warfen den Ultramarine auf den Rücken.
Noch bevor er sich aufrichten konnte, stellte die Grünhaut einen Fuß auf seine Rüstung und hielt ihn durch seine obszöne Kraft am Boden. "Ich bin Waaaghboss Boglug Koppmatscha", brüllte er Sergeant Krathiros an, "Gork hat mich gäschikkt, um Köppe zu matschn und jätzt is dein Kopp dran, mistiga Büxnmänsch!" Das letzte, was der Space Marine sah, waren die röhrende Kreissäge und die beiden Krallen, die sich um seinen Helm schlossen.



Urheberrecht: Fabian Wolf, 2010



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