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RUF DER MACHT KAPITEL 2

Teil 2:

Vergangenheit

Das Schiff brannte! In den Korridoren und Hallen lagen tote und sterbende Besatzungsmitglieder. Ihre Leiber waren verstümmelt und verbrannt. Zerstückelt von den Waffen der Eindringlinge. Verbrannt von den austretenden Gasen und Flammen des sterbenden Schiffes Warnsirenen jaulten und übertönten beinahe die Schreie der Sterbenden.
Er preßt den Behälter gegen seinen Körper um ihn vor der Hitze und den ätzenden Dämpfen zu schützen. Der logisch denkende Teil seines Verstandes realisierte das der Behälter wesentlich besser geschützt war als er.
Neben ihm rannten die drei letzen Überlebenden seines Trupps. Sie hatten Anweisung bekommen das Schiff mit den Landungskapseln zu verlassen. Es war der letzte Befehl von Bruder Scriptor Seclaire gewesen bevor....


Gegenwart:

Zum ersten Mal in seinem Leben empfand Landril reine, nackte Angst. Sie war nicht greifbar und er hatte eigentlich auch nichts gesehen was zum fürchten gewesen wäre. Doch er hatte Angst.
Du hast etwas gesehen, schien eine Stimme in seinem Inneren zu sagen. Die Himmelszeichen! Sie bringen den Tod!
Unsinn! Landril besann sich. Es war nichts! Er begann die Hymne des Göttlichen zu rezitieren, so wie es ihm sein Vater beigebracht hatte. Doch selbst das schaffte es nicht seinen Verstand zu beruhigen.
Es war die Reaktion seines Vaters auf die Zeichen gewesen die ihm Angst machte. Das Wort das er dabei geflüstert hat und dem Landril keine Bedeutung zuordnen konnte.
"Thunderhawks".
Leise sprach er es aus und lauschte dem fremden Klang. War es ein Name, ein Ereignis oder ein Fluch? Er wußte es nicht. Aber sein Vater wußte es. Und er schwieg.
Landril richtete den Blick auf die Kerze die vor dem Bildnis des Göttlichen stand. Das ruhige Flackern der Flamme beruhigte ihn und lullte ihn ein. Kurz darauf überschwemmte Landril der Schlaf.

Wie immer wachte er kurz vor Sonnenaufgang auf. Sanftes Morgenlicht fiel durch den Lichteinlaß in der Decke auf sein Bett, doch diesmal war alles anders. Nicht seine morgendlichen Tätigkeiten, die waren wie immer. Er wusch sich, zog sich an und vollzog die halbstündige Andacht. Doch erschien es Landril fremd.
Unsicher sah er sich um. Es war ohne Zweifel noch immer seine Kammer, doch das Gefühl der Vertrautheit, der Geborgenheit war verschwunden. Dies hätte auch ein fremder Raum in einem fremden Haus sein können.
Verwirrter denn je erklomm Landril die Stufen von seiner Kammer bis zum Wohnraum der Heimstatt. Eine Gestalt huschte umher und packte Sachen zusammen. Orlril? Um diese Zeit? Doch es war nicht Orlril. Es war sein Vater!
Er packte einen großen Rucksack, wie als wenn er zur Hrutonjagd gehen wollte, doch daran glaubte Landril nicht.
"Vater! Was ist denn?"
Sagit hielt in seinen Bewegungen inne und wandte sich an seinen Sohn. Anspannung war auf seinem Gesicht zu sehen und noch etwas anderen, das Landril nicht deuten konnte. Vorfreude?
"Ich muß für eine Weile fort, mein Sohn. Kümmere dich mit deinem Bruder um die Farm bis ich wieder da bin."
Er drehte sich um und fuhr fort Proviant und Ausrüstung in die Taschen des Rucksacks zu verstauen.
"Es hat etwas mit den Himmelszeichen zu tun, nicht wahr?"
Sein Vater hielt erneut inne, drehte sich diesmal aber nicht um.
"Ja!"
"Sag mir bitte was. Was hat es damit auf sich?"
Sagit schüttelte stumm seinen Kopf und drehte sich langsam herum. Für einen Moment wirkte er wahrhaft kraftlos. Dann verschwand das Bild wieder.
"Es gibt vieles was du und dein Bruder nicht wissen. Selbst die Menschen in den sechs Städten wissen nicht was hier vor sich geht. Doch sie werden die ersten sein die es kennen lernen werden."
Landril ballte die Fäuste.
"WAS DENN, VATER. WAS DENN?"
"Sieh mich an, Landril. Ich bin größer, stärker und zäher als jeder andere Mensch auf dieser Welt."
"Dieser Welt? Wieso diese ...."
"Sei Still und hör zu! Ich bin in der Lage annähernd jede organische Substanz zu essen und zu verdauen, mein Körper ist resistent gegen die meisten Gifte und Krankheiten in der Galaxis. Ich kann schlafen, obwohl ich wache und ich bin 287 Jahre alt."
Landril spürte wie seine Hände sich öffneten und wie zwei leblose Fleischstücke neben ihm herabhingen.
"Was???"
"Verstehst du denn nicht? Ich bin nicht auf dieser Welt geboren worden. Dieser Planet; Cynost, ist nur eine von unzähligen anderen auf denen Menschen leben. Meine Heimat heißt Barrn und ist unvorstellbar weit entfernt."
Landril war einen Schritt zurückgewichen. Mit den Füßen fühlte er die Treppenstufen hinter sich beginnen. Sein Vater kam auf ihn zu und hatte die Hände in seine Richtung erhoben.
"Ich bin einer der auserwählten Krieger des Göttlichen, den ich deinen Bruder und dich anzubeten gelernt habe. Ihr kennt ihn als den Gott, der seine Hand über alle Menschen hält und sie beschützt vor dem Bösen. Es gibt ihn wirklich, Landril, es ist der unsterbliche Imperator auf Terra, der Stammwelt aller Menschen. Und ich bin einer seiner Krieger! Ich war hier gestrandet, doch jetzt sind meine Brüder gekommen. SIE waren es, welche die Zeichen am Himmel schufen."
"Aber...warum hast du uns nie etwas gesagt? Wir sind deine Familie! Warum hast du uns glauben lassen, dass diese Welt die einzige ist. Warum glauben alle andern die ich kenne das?"
Landril schrie die letzten Worte beinahe. Er fühlte einen Schmerz, der die leere Stelle, die in seinem Inneren in letzter Zeit immer mehr gewachsen war, überstrahlte. Er fühlte sich verraten, von dem Mann, dem er immer vertraut hatte. Seinem Vater!
Sagit nickte ernst und ein Schatten legte sich über seine Gesichtszüge als er seinen Sohn anblickte.
"Du hast viele Fragen, das verstehe ich. Und ich werde sie dir beantworten, das verspreche ich dir. Doch jetzt ist dazu keine Zeit."
Landril öffnete den Mund um zu widersprechen, doch sein Vater erstickte den Protest mit einer Handbewegung.
"Nein, jetzt ist die Zeit nicht! Ich habe eine sehr wichtige Aufgabe, die ich erfüllen muß. Ich muß etwas Wichtiges ", er machte eine unbestimmte Geste mit der Hand, "meinen Brüdern übergeben."
"Ich kann dich begleiten."
"Nein", sagte sein Vater scharf und zu Landril's Erstaunen glitt ein Hauch von Entsetzen über das Gesicht seines Vaters.
"Du bleibst mit deinem Bruder hier und wartest darauf dass ich zurückkomme. Ich werde in Begleitung kommen und ihnen etwas übergeben."
Erst wollte Landril erneut widersprechen doch dann fügte er sich und nickte. Er war sich sicher, dass sein Vater noch etwas sagen wollte und sich es dann anders überlegt hat.
"Ja, Vater."
Sagit lächelte und wirkte mit einem Mal viel versöhnlicher.
"So ist es recht. Ich werde euch alles erzählen, aber es gibt Dinge die keinen Aufschub dulden."
Mit diesen Worten wandte er sich von Landril ab. Er ging die Stufen zum Ausgang hinauf und auf den Karren zu, vor den Orlril zwei Hrotons gespannt hatte. Auch sein Gesicht war eine einzige Maske der Verwirrung. Doch auch er gehorchte ihrem Vater.
"Ich weiß, dass ich mich auf euch verlassen kann. Falls andere ohne mich kommen sollten, führt sie in meinen Schlafraum. Hinter dem Schrank ist eine Tür versteckt. Hütet euch jedoch davor sie alleine zu öffnen. Es ist euch nicht gestattet."
"Warum sollten sie ohne dich kommen, Vater", wollte Orlril wissen.
Sagit sah ihn einen Moment stumm an ehe er antwortete.
"Ich war lange Zeit für sie verschollen. Es kann sein, das ich Fragen beantworten muß. Aber habt keine Angst. Ich komme wieder!"
Keiner der beiden Brüder sagte ein Wort als sie den Karren mit ihrem Vater in der Ferne verschwinden sahen.

Vergangenheit:

In der Landungskapsel war der Lärm unbeschreiblich. Durch die winzigen Luken konnte man die Atmosphäre durch die Reibungshitze brennen sehen und das tobende Inferno ausserhalb brüllte wie ein verwundeter Dämon. Die Kapsel schüttelte sich in den reißenden Winden und das Metall ächzte unter der Beanspruchung.
Die vier Space Marines waren auf ihren Andrucksesseln festgeschnallt und beteten zum Imperator. Zwischen ihnen befand sich, ebenfalls gesichert, der Behälter den es zu bewahren galt. Dann schlug die Kapsel auf...


Gegenwart:

"Verdammt, warum macht er das?"
Orlril trat gegen einen Pfosten des Hrutongeheges und verzog gleich darauf schmerzerfüllt das Gesicht.
Landril schüttelte den Kopf über seinen Bruder. Er hatte sie Arme vor der Brust verschränkt und trug einen starren Gesichtsausdruck zur Schau, was seinen Bruder nur noch mehr aufregte.
"Glaubst du das alles was er uns erzählt hat", fragte Orlril.
"Warum sollte ich nicht?"
"Komm schon. Tausende von fremden Welten? Alle mit Menschen bewohnt? Schiffe die zwischen den Sternen reisen? Das ist doch Hrutonmist!"
Landril riß die Arme auseinander und wies schroff zum Himmel
"UND DIE ZEICHEN. Du hast sie doch auch gesehen. Und hast du Vater jemals so erlebt? Wenn es nicht wahr ist, warum sollte er so etwas erzählen?"
Mißmutig verzog Orlril das Gesicht und trat wieder zu. Diesmal gegen einen kleinen Stein, der davon hüpfte. Er flog in das Gehege und wurde prompt von einem der Hrutons verschluckt, der einen Moment darauf herum kaute und ihn dann wieder ausspuckte. Weißlicher Sabber lief daran herunter.
"Was weiß ich? Vielleicht hatte er auch nur die Schnauze voll von dem hier und hat die Gelegenheit genutzt um endlich abzuhauen."
"Das glaubst du doch wohl selbst nicht", schnaubte Landril verärgert.
"Nein", gab sein Bruder zu.
"Aber das klingt alles so unwirklich, so..."
"...verrückt", half Landril aus.
"Genau."
Die beiden Brüder blickten sich an und Ratlosigkeit zeichnete sich in ihren Gesichtern ab. Von einem Moment zum anderen hatte sich ihre Welt auf den Kopf gestellt und sie fühlten sich als hätte man ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen.
"Meinst du wir könnten ebenfalls zu diesen Kriegern gehören? Naja, weil wir doch seine Söhne sind", fragte Orlril vorsichtig.
Landril sah ihm in die Augen und konnte einen hoffnungsvollen Schimmer darin erkennen.
"Willst du das denn", fragte er seinen Bruder wiederum.
"Warum nicht", gab Orlril mit Stolz in der Stimme zurück.
"Mit Bogen und Speer gegen den Feind! Das könnte ich mir schon vorstellen. Ein Krieger ist geachtet und wird bewundert und..."
"... stirbt einen schnellen Tod", beendete Landril den Satz
"Komm schon, Orlril. Du kennst doch gar keine Krieger und du hast auch noch nie einen gesehen. Hier bei uns gibt es so etwas nicht. Krieger kommen nur noch in Geschichten vor."
Orlril funkelte ihn wütend an.
"Du hast Angst!"
Mit geballten Fäusten stand er vor seinen Bruder und blickte auf den einen Kopf kleineren herunter.
"Richtig. Und wenn du einen Funken Verstand besäßest, hättest du auch welche. Hast du eine Ahnung was die Ankunft von Vaters Kriegerbrüdern bedeuten kann. Für uns alle?"
Orlril kam schnellen Schrittes auf ihn zu. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt. Er schien Landril's letzte Worte gar nicht mehr mitbekommen zu haben.
"Wer hat hier keinen Verstand, du Feigling", blaffte er.
Eine seiner Hände schoß vor und stieß Landril gegen die Schulter, der ein Stück zurück geschleudert wurde.
"Bist du verrückt geworden", rief er überrascht aus.
Doch sein Bruder gab keine Antwort. Blitzschnell setzte er hinterher und ließ eine schnelle Serie von Schlägen gegen Landril's Kopf und Oberkörper folgen.
Zu überrascht um entsprechend reagieren zu können, mußte Landril die Schläge einstecken und wurde zu Boden geworfen. Heißer Schmerz wütete in seinem Gesicht und seinem Magen. Er schmeckte Blut in seinem Mund und etwas Rotes rann ihm in das linke Auge.
Etwas schweres fiel auf ihn und am Rande bekam er mit das es sein Bruder war der sich auf ihn fallen gelassen hatte, mit dem Beinen Landril's Arme an den Körper preßte und wieder seine Fäuste fliegen ließ.
Etwas machte ‚klick' in Landril's Hinterkopf und für eine winzigen Moment nahm etwas wie ein schwarzer Blitz ihm die Sicht. Als es vorüber war klärte sich seine Sicht und das Gewicht auf seiner Brust war verschwunden.
Stöhnend rollte Landril sich auf die Seite und spuckte blutigen Speichel aus. Sein linkes Auge schwoll zu und seine Lippe war aufgeplatzt. Pochender Schmerz tobte in seinem Kopf und seine Rippen fühlten sich an, als hätte ihn eine Hrutonkuh gerammt. Orlril war schon immer der Stärkere von ihnen gewesen.
Für eine Weile lag er nur da und sog Luft in seine Lungen ehe der Schmerz langsam nachließ und er den Kopf drehen konnte. Mit dem verschwollenen Auge konnte er nicht richtig sehen aber einige Meter entfernt lag etwas, das dem Umriß nach sein Bruder sein konnte.
Vorsichtig richtete Landril sich auf und wischte sich das Blut aus den Augen. Er blinzelte. Es war sein Bruder.
Orlril lag auf dem Rücken, die Gliedmaßen von sich gestreckt und rührte sich nicht mehr.
Erschrocken und die plötzlich eintretenden Schmerzen ignorierend sprang Landril auf die Füße und taumelte zu ihm herüber.
Sein Bruder lag da mit offenen Augen von denen nur noch das Weiße zu sehen war. Landril ließ sich neben ihm zu Boden fallen und schüttelte seinen Bruder an den Schultern. Einen schrecklichen Moment geschah gar nichts, dann holte Orlril tief Luft wie ein Ertrinkender und seine Augen rollten herum. Er starrte ihn fassungslos an.
"Wa... Was ist passiert", stammelte er und klammerte sich an den Armen seines Bruder fest.
Als er sah das Orlril nichts passiert war, ließ er dessen Schultern los und machte sich von seinen Händen frei:
"Du bist wie ein wilder Hruton auf mich losgegangen, das ist los. Als ich am Boden lag muß ich dir wohl noch eine verpasst haben. Ich bin mir selbst nicht sicher. Du hast mich fast k.o. geschlagen, ich war schon halb weg."
Landril stützte sich mit den Händen auf den Boden und stemmte sich in die Höhe. Er sah auf seinen liegenden Bruder herab.
"Kannst du aufstehen oder willst du da unten den ganzen Tag liegen bleiben?"
Sein Mund tat ihm weh und das geschwollene Auge sah nur noch Schatten. Orlril sah dagegen nur ein wenig blaß aus. Das plötzliche Verlangen seinen Bruder zu treten, ihn auch zu verletzen schoß ihm durch den Kopf und war ebenso schnell wieder verschwunden.
Der am Boden liegende atmete ein paarmal tief durch und schien in sein Inneres zu lauschen. Dann schüttelte er den Kopf.
"Nein mit mir ist nichts."
So als wäre er nie bewußtlos gewesen, sprang er auf. Langsam kehrte die Farbe in sein Gesicht zurück, doch seine Wut war verraucht als wäre sie nie dagewesen. Langsam, um Zeit zu gewinnen, klopfte Orlril sich den Staub von der Kleidung. Schließlich hob er den Kopf als er die richtigen Worte gefunden hatte und wollte sich bei seinem Bruder entschuldigen.
Doch Landril war bereits gegangen.


Fortsetzung folgt....



Urheberrecht: Heiko Stallmann, 2005



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