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DIE VERGESSENEN HELDEN

Captain Hephael blickte sich um. Es muss einst eine fruchtbare Welt gewesen sein, auf deren Ruinen er und seine Brüder nun standen und auf den Feind warteten.

Farhel V war eine Feudalwelt, ihre Struktur der des Mittelalters auf Terra nicht unähnlich. Die Welt brachte nicht nur gute Rekruten für die Armeen des Imperators hervor, sondern galt auch als eine Stätte der Kunst und Kultur- farhelische Ikonen waren auf mehreren Schreinwelten des Sektors zu finden.

Hephael seufzte- mehr ein Überbleibsel seines Lebens als einfacher Mensch denn eine Gefühlsäußerung. Sie waren so wenige, und der Feind so zahlreich. Kein Zweifel, die Armeen des Imperators würden obsiegen, doch verdammte Hephael jeden Tag auf dieser Welt, der mehr und mehr Leben und Ressourcen verbrauchte- Ressourcen, die anderswo genau so dringend, wenn nicht noch dringender, benötigt wurden.

Ein lautes Rattern ließ ihn sich umdrehen, und er beobachtete, wie ein Panzer der Imperialen Armee schnaubend und Rauch spuckend zum Halten kam. Ein älterer Mann- Hephael schätzte ihn auf etwa sechzig Standardjahre- kletterte aus einer der Zugangsluken und stapfte durch die zentimeterdicke Ascheschicht, die den Boden bedeckte, auf ihn zu.

„Major Grismund.“

„Captain Hephael, ich bringe Nachricht vom Kriegsherren. Der Feind hat sich in großen Massen zusammengerottet und versucht, uns an dieser Linie“, Hephael deutete auf einen grobgekritzelten Strich auf einer abgenutzten, ausgeblichenen taktischen Karte, „anzugreifen. Die 26. Gorlund-Dragoner wurden bereits in ihren Stellungen überrannt, und das 71. Mordianische Garderegiment steht zurzeit in heftigen Kämpfen.

Die scheinbaren Anführer dieses Kultaufstandes, Chaos Space Marines der Alpha Legion- verdammt seien sie auf alle Ewigkeit- befinden sich hingegen in diesem Sektor.“

„Ich nehme an, ihr wollt, dass wir uns darum kümmern, Major?“

„Die Idee kommt nicht von mir, Captain. Kriegsherr Hermat hat persönlich eure Befehle ausgegeben.“

„Ich versichere hiermit bei meiner Ehre, dass ich und meine Kompanie diese Verräter ihrer gerechten Strafe zuführen werden. Bruder Ezral?“

Auf Hephaels Ruf schälte sich eine Gestalt in einer barocken, dunkelgrün schimmernden Rüstung aus der Luke des beistehenden Rhinos. Sie war in lange, vergilbte Roben gehüllt und hielt in ihrer gepanzerten Rechten ein Rosarius. Rote Visorschlitze lugten unter der weit ins Gesicht gezogenen Kapuze hervor. Beinahe beiläufig und behutsam streichelte der Absolutionspriester die drei schwarzen Perlen, die an seinem Rosarius angebracht waren.

„Bruder-Captain?“

„Es gibt Verräter zu fangen, zu verhören und zu erlösen. Seid ihr bereit?“

„Meine Klingen stehen Euch zur Verfügung, Bruder.“

„Sorgt dafür, dass sie auch den Ketzern zur Verfügung stehen, Bruder Absolutionspriester.“ Mit einem grimmigen Grinsen entließ Hephael die verhüllte Gestalt und wandte sich zu Grismund um, der mit ungläubigem Gesicht der Gestalt des Absolutionspriesters nachsah.

„Ihr wollt sie... verhören? Aber warum?“

Hephael starrte den Major aus seinen ausdruckslosen, kalten schwarzen Augen an.

„Ich habe Jahre gebraucht, um in die Geheimnisse unseres Ordens eingeweiht zu werden, Major. Ihr würdet es in hundert Jahren nicht verstehen, wenn ich es euch überhaupt sagen dürfte. Nun beginnt euren Angriff. Die Dark Angels kümmern sich um ihre Angelegenheiten, die Imperiale Armee um die ihren.“

„Captain.“ Der Major schlug das Zeichen des Aquila auf seiner Brust. „Möge euer Kampf ruhmreich und euer Sieg groß sein. Der Imperator beschützt.“

„Der Imperator beschützt, Major.“ Mit diesen Worten stieg Hephael in das wartende Rhino und brauste davon.



Der Kampf in Planquadrat 47/b war überwältigend. Horden von Kultisten stürmten auf die hastig errichteten Verteidigungsstellen der Soldaten des 4. Mordian- Gardekorps zu. Egal, wie viele der fehlgeleiteten Männer und Frauen die Soldaten auch niederstreckten, innerhalb eines Augenzwinkerns schienen zwei neue ihren Platz einzunehmen.

Leutnant Stern schritt die Schützengräben ab und schrie Befehle herum, als eine Granate ein Stück Sandsackbarriere- und drei Mordianer- in einem Feuerball zerfetzte und über die anderen Soldaten zerstreute.

„Haltet stand! Im Namen des Goldenen Thrones, HALTET STAND! Sucht eure Ziele und schießt gezielt! Zeigt diesen Ausgeburten, wie die wahre Hölle aussieht!“

Soldat Merkin verwandelte sich in eine zuckende Gliederpuppe, als ein Laserstrahl seinen Kopf in einem Stück abriss. Sein Ladeschütze, Brim, rollte sich zum nun schützenlosen Maschinengewehr und feuerte wild in die Wand aus Leibern, die auf ihn zugestürmt kam.

Er feuerte noch, als einer der Kultisten mit gezogenem Messer in seinen Sandsackverhau sprang und ihn angriff. Er feuerte sogar noch, als sein Herz bereits aufgehört hatte zu schlagen- bis eine weitere Granate ihn, Merkins Leiche und zwei Kultisten, die an ihm vorbei ins Grabensystem eingedrungen waren, in einem Hagel aus Schrapnell zerriss.

Stern sah sich um- an mehreren Stellen war der Graben gebrochen, und Kultisten ergossen sich in das System. Er tippte an seiner Voxverbindung und brüllte seine letzten Befehle hinein: „Bajonette aufpflanzen! Nahkampf! Ich wiederhole, Nahkampf!“. Leutnant Sterns Leiche wurde inmitten der Leichen von zwölf Kultisten gefunden, mit mehreren Messern, die in seiner Brust steckten.



In seinem Kommandostand überblickte Major Grismund die Lage. Die Mordianer wichen zurück, als massierte Verbände sie überrannten. Er hastete zu seinem Panzer, Der Schild genannt, und befahl seine Panzergruppe vorwärts. Entschlossen, diesen Abschaum mit der eisernen Faust des Imperators zu zerschmettern, trieb er seine sieben Panzer den Abhang hinab und ließ sie gnadenlos durch die Masse der Kultisten walzen. Die beiden Leman Russ Exterminatoren seiner Gruppe, Der Hammer und Licht des Imperators, spieen Tod und Verderben aus ihren Schnellfeuerwaffen. Der Hammer feuerte sogar noch unbeirrt weiter, als die Feinde seine Luken aufrissen und ganze Gurte voller Granaten in den Fahrerraum warfen. Der Hammer starb in einer Kakophonie von Explosionen und riss unzählige Feinde mit in den Tod, als seine Munition explodierte.

Grismund schickte nun Glorie oder Tod und Faust von Terra nach vorne, zwei uralte Leman Russ Demolisher, die nun schon seit beinahe hundert Jahre im Dienste seiner Kompanie standen. Ihre kurzen, großkalibrigen Geschütze säten Tod und Verderben unter den Feinden, während Licht des Imperators in einem ohrenbetäubenden Knall verging, als die Kultisten auch ihn mit Handgranaten sprengten. Grismund und seine Flankenpanzer kamen mit knirschenden Ketten zum Stehen, und Grismunds Panzer schwenkte seine barocke Plasmakanone herum, um einen gleißenden Ball Vernichtung in die massierten Feinde zu schicken. Der Major erlaubte sich ein zufriedenes Grinsen, als er sah, dass sich die Kultisten zurückzogen und sogar Glorie oder Tod und die Faust von Terra ignorierten, die immer noch im Fluss der Leiber standen und unablässig ihre Geschütze donnern ließen. Er würde den beiden Kommandanten eine Belobigung schreiben müssen- sie könnten sogar eine Auszeichnung bekommen, dachte Grismund. Gerade als er die Bergungsfahrzeuge anfunken lassen wollte, um die beiden Wracks der Exterminatoren bergen zu lassen, erbebte die Erde und er musste mit ansehen, wie eine gewaltige Explosion die Faust von Terra an der Flanke traf und sie wie eine Blechbüchse davonschleuderte. Er sah, wie der Panzer noch in der Luft Feuer fing, und wie ein Komet auf die Linien der nachrückenden Reste der Mordianer niederging. Er hörte die letzten Schreie der Besatzung, ehe die Geschützmunition im Feuer detonierte und nichts als einen rauchenden Krater in der Landschaft zurückließ. Gerade, als er einen Lagebericht von Glorie oder Tod anfordern wollte, wurde auch der zweite Demolisher von einem schweren Geschoß zerfetzt.

Ungläubig schwenkte Grismund sein Periskop herum. Er sah einen gepanzerten Behemoth, der sich waffenstarrend und schwerfällig aus der Rauchwand, die von den beiden zerstörten Exterminatoren ausging, schälte. Seine Augen weiteten sich, als er das Fahrzeug endlich klar sah. Hastig fingerte er an seinem Mikrofon herum und öffnete einen Kanal zu seinen Begleitpanzern.

„Baneblade! BANEBLADE! Superschwerer Panzer auf zehn Uhr! Beim Imperator- vernichtet dieses Monster, ehe er uns sieht!“

Nur Sekundenbruchteile später eröffneten seine Flankenpanzer das Feuer. Imperators Gnade, der älteste Panzer der Kompanie, ein verehrter und wertvoller Vanquisher, traf die Frontpanzerung des gepanzerten Monsters und zerstörte einen Drehturm mit schweren Boltern. Das Licht, der zweite Begleitpanzer, schoss gerade seine erste Granate ab, als der Baneblade sein Kampfgeschütz auf das Trio ausrichtete und feuerte. Imperators Gnade und Der Schild schafften es, der Explosion zu entkommen, Das Licht hingegen wurde von der Macht des großkalibrigen Geschützes förmlich auseinander gerissen. Ein Kettensegment des sterbenden Panzers traf die Flanke von Imperators Gnade und zerstörte die Kette des Vanquishers. Mit jaulenden Motoren drehte sich der Panzer um 180 Grad, ehe er sich im Boden festbiss und nie wieder freikommen sollte.

Grismunds Executioner feuerte noch drei Bälle superheißes Plasma auf den Baneblade ab, ehe er von einem direkten Treffer auseinander gerissen wurde und. Die Reste seines Wracks stehen noch immer auf den Ebenen von Farhel V- ein Mahnmal für alle, die sich auf diesem Planeten noch einmal gegen Terra und den Gott- Imperator auflehnen wollen



Soldat Jensen vom 4. Herranischen Sturmregiment sah sich um. Das Gelände kannte er nicht- weder von den taktischen Displays, noch von den Einsatzkarten, die an die Soldaten ausgeteilt wurden. Er blickte auf die Reste seines Zuges- sieben Mann waren alles, was von zwanzig übrig geblieben war. Sergeant Halmer war vor weniger als einer halben Stunde gefallen, als sie in eine Sprengfalle der Ketzer gerieten, und nun hatte er als Dienstältester das Kommando.

Seltsamerweise wurden sie schon seit einigen Minuten nicht mehr angegriffen. Eigentlich hatten sie sein einigen Minuten überhaupt keinen Feind mehr gesehen- allerdings auch kein Mitglied der verbündeten Truppen.

Jensen begann zu verzweifeln. Er hatte die Vox-Durchsagen gehört, ehe der Kontakt abgerissen war. Es war von Evakuierung der Kampfzone, von einer Rückkehr zur Hauptbasis und von einem Orbitalschlag die Rede. Und nun standen sie nun hier im Niemandsland, ohne Vox-Verbindung und ohne Idee, wo sie sich befanden. Es war wirklich aus.

Er hatte niemals gedacht, dass es so enden würde. Ein Laserschuss, eine Granate, ein Messer, das wäre vielleicht mal sein Ende gewesen. Aber sicher nicht ein einsamer Tod im Nirgendwo. Gerade wollte er seiner Wut mit einem lauten Schrei Luft machen, als er Kettengeräusche aus einem Canyon zu seiner Linken hörte. Er orderte seinen Trupp in Deckung und griff zu seinem Fernglas.

Was er sah, verschlug ihm den Atem. Ein Rhino. Er hatte die Panzer des Adeptus Astartes bei der Einschiffung auf Farhel V gesehen, aber dieses Rhino war anders. Seine Hülle war beschrieben mit blasphemischen Litaneien, und seine Markierungen verursachten Übelkeit, wenn er sie zu lange ansah.

Jensen wandte sich zu seinen Männern um und ließ sich den Status des Raketenwerfers bestätigen. Eine Rakete. Er erlaubte sich ein kurzes, gequältes Lächeln, als Schütze Brost bemerkte, dass eine Rakete für einen Panzer mehr als genug war.

Der Trupp blieb in Deckung, als Brost den Werfer bereitmachte. Brost wartete, bis das Rhino zum Halten kam. Blau gerüstete Space Marines stiegen aus, und Jensen schluckte, als er die Markierungen erkannte. Alpha Legion. Chaos Space Marines. Sein Mut sank noch tiefer. Wie beim Imperator sollten sie diesen Monstern entgegen halten?

Als er dann noch weiteres Kettenrasseln, diesmal aus der entgegengesetzten Richtung hörte, wagte es Jensen kaum, einen Blick aus der Deckung zu tun. Doch wider aller Logik tat er es, und er wollte einfach nur noch weinen, als er ein zweites Rhino sah- nachtschwarz, ohne Markierungen, aber keines, das er bei der Einschiffung gesehen hatte. Zweifelsfrei ein weiteres Fahrzeug der Ketzer. Nun war alles verloren.

Er blickte sich zu seinen Männern um und schilderte ihnen die Lage. Er erwartete, dass die Soldaten ebenfalls den Mut sinken lassen würden, doch anstelle dessen blickten ihn sieben Augenpaare an, denen die Entschlossenheit und die Kampfeslust ins Gesicht geschrieben standen.

„Nun gut, ihr Söhne von Herrania, dann lasst uns unser Leben so teuer wie möglich verkaufen. Brost, mach’ dich bereit. Feuere zwischen die beiden Rhinos- vielleicht schaffst du es, beide auszuschalten.“

„Verstanden.“

Brost nahm Maß, richtete seinen Werfer aus und krümmte den Finger um den Abzug. Sieben andere Soldaten verspannten sich erwartungsvoll und warteten auf das Fauchen der Rakete und die folgende Explosion.

Aber nichts geschah.

Sie wandten sich zu Brost um und sahen, wie ein sehr großer Mann Brost den Werfer aus der Hand gerissen hatte. Er trug eine Scoutrüstung und deutete ihnen, die Köpfe unten zu halten. Dann gab er ein Handzeichen, und zwei weitere Scouts kamen in die Stellung der Soldaten.

„Sergeant Aphodel, Scoutkompanie der Dark Angels. Was sollte das werden, Soldat?“

Jensen straffte seine blut- und dreckverschmierte Uniform und blickte dem Scout in die Augen.

„Wir waren gerade dabei, diese Verräter zu vernichten, Sergeant. Warum nehmt ihr uns die Gelegenheit?“

„Weil hier höhere Interessen auf dem Spiel stehen als ihr denkt. Seht.“

Jensen und seine Soldaten blickten wieder auf die beiden Rhinos. Schwarzgepanzerte Space Marines stiegen aus dem ebenso schwarzen Rhino und gingen auf die wartenden Alpha Legion Marines zu. Zwei der Alpha Legion Marines trugen eine Kiste aus ihrem Fahrzeug, die mit karmesinroten Tüchern verdeckt war.

„Was machen sie da?“

„Seht hin, Soldat. Aber seht nicht auf die Litaneien des Feindes auf dem Rhino.“

„Warum nicht?“ wollte Jensen gerade erwidern, als Lesk neben ihm begann, Blut zu spucken und zu wimmern.

„Deswegen, Soldat. Ihr werdet wahnsinnig. Die Geister des Warp nehmen euren Geist in Besitz, wie sie es bei den Kultisten getan haben“. Aphodel drückte Lesk zu Boden, zog seine Boltpistole mit Schalldämpfer, drückte sie an Lesks Hinterkopf und zog den Abzug durch. „Es ist besser so. Für ihn, wie auch für uns.“

Jensen biss sich auf die Lippen. Er kannte Lesk nun schon seit Jahren, und Tränen stiegen ihm in die Augen. Er wollte den Scout anbrüllen, seine ganze Wut über diese verdammte Höllenwelt und den sinnlosen Tod seines Freundes herauslassen, aber Aphodel deutete ihm, still zu sein.

„Brüder, geht in Stellung.“

Jensen beobachtete, wie die beiden anderen Scouts sich an der Felskante, die Jensens Trupp vor den Augen der Chaos Space Marines verbarg, hinlegten und gewaltige Scharfschützengewehre in Anschlag brachten. Aphodel kniete nieder und sprach in seine Voxverbindung.

„Erzengel, Seraph in Position. Bereit.“

Die imperialen Soldaten erschraken, als plötzlich ein hohes Kreischen die Luft erfüllte. Jensen sah, wie ein gewaltiges Landungsschiff des Adeptus Astartes aus dem Canyon donnerte und auf die beiden Chaos Rhinos zuhielt. Fauchend zogen zwei Raketen ihre Spur auf die Panzer hin und ließen beide in Feuerbällen explodieren.

Beinahe zeitgleich feuerten die beiden anderen Scouts mit ihren Gewehren und Jensen sah zwei Marines der Alpha Legion zusammensacken. Noch ehe ihre Brüder reagieren konnten, wurden auch sie mit gezielten Schüssen niedergestreckt.

Die schwarzen Marines gingen hinter den brennenden Wracks in Stellung und feuerten in die ungefähre Richtung, in der sie die ungesehenen Angreifer vermuteten.

Doch noch ehe die erste Salve verklungen war, stürmten die Scouts aus der Stellung und rannten auf die Verräter zu.

Jensen wusste nicht, warum, aber er befahl auch seinen Männern, vorzustürmen. Er ließ den Schlachtruf seines Regiments erklingen und rannte den Abhang hinab. Zwei seiner Soldaten wurden von Boltgeschossen zerrissen, noch ehe sie richtig aufgestanden waren. Jensen sah Brost fallen, seine Brust aufgeplatzt und aus unzähligen Löchern blutend. Es waren nur mehr Jensen und der Sanitäter Cresp übrig, als sie die beiden Wracks erreichten. Cresp wollte gerade in Deckung hechten, als ihn einer der schwarzen Marines mit einem Schuss in den Hals tötete. Der Marine baute sich vor Jensen auf und zielte auf seinen Kopf. Jensen schloss die Augen und erwartete das raue Husten des Bolterschusses, doch stattdessen sah er, wie Aphodel sein Kettenschwert in die Flanke des Marines trieb. Blut, Rüstungssplitter und Kettenzähne spritzten, als Aphodel ein Bein des Ketzers abtrennte und ihm zwei Boltgeschosse in den Rücken jagte.

Dann war der Kampf auch schon vorbei. Die beiden anderen Marines lagen tot am Boden, einer mit Dutzenden Einschüssen in der Brust, der andere starb mit der Leiche eines der beiden anderen Scouts auf der Brust, beide mit dem Messer des jeweils anderen in der Kehle.

Jensen richtete sich auf, als das Thunderhawk landete. Er humpelte einige Schritte auf die Luke des Landungsschiffes zu, als sie sich mit einem dumpfen Rumpeln öffnete. Eine weißberobte Gestalt erschien, ein seltsames Kreuz in der Hand haltend. Plötzlich hörte Jensen ein leises Stöhnen und er bemerkte ungläubig, dass der Marine, den Aphodel niedergestreckt hatte, noch lebte. Er hob sein Lasergewehr und zielte auf den Kopf des am Boden liegenden Verräters. Gerade als er abdrücken wollte, donnerte die Stimme des Robenträgers durch die Luft.

„Genug!“

„Aber er lebt noch! Warum sollte ich ihn nicht töten?“

Die titanische Gestalt des Absolutionspriesters blickte auf ihn hinab.

„Weil dies eine Angelegenheit der Dark Angels ist, Soldat. Ihr solltet nicht einmal hier sein. Ihr habt gesehen, was noch keiner außer den Dark Angels gesehen hat.“

Jensen schnappte nach Luft und wollte wieder einmal schreien. Aber es blieb ihm in der Kehle stecken. Er sah zu, wie die Dark Angels die schwarzgerüsteten Marines und ihren toten Scout in das Thunderhawk trugen.

„Was geschieht nun mit ihnen?“

Absolutionspriester Ezral drehte sich zu ihm um.

„Ihr fragt zuviel, Soldat. Wie ich schon sagte, ihr habt zuviel gesehen. Und, wie ich auch sagte, ihr solltet nicht hier sein.“

Einer der in der Luke stehenden Marines wandte sich an Ezral.

„Bruder Absolutionspriester, wir müssen gehen. Wir brauchen drei Minuten, um aus der Explosionszone zu kommen.“

„Explosionszone? Welche Explosionszone?“ brüllte Jensen den Space Marines nach. „Welche Explosionszone?“

Ezral drehte sich in der Luke zu dem Soldaten um. „Wie ist euer Name, Soldat?“

„Soldat Harg Jensen, 4. Herranisches Sturmregiment, Blauer Zug.“

„Soldat Jensen, Euer Mut bleibt unvergessen. Seid euch des Dankes der Söhne des Löwen gewiss.“

Der Absolutionspriester formte das Zeichen des Aquila. „Der Imperator schützt.“

Mit diesen Worten schloss sich die Luke und das Thunderhawk donnerte davon.

Jensen deutete auf die verhüllte Kiste, die noch immer zwischen den brennenden Wracks stand.

„Und was wird damit? Ein Artefakt des Chaos muss doch zerstört werden? Was wird damit?“ brüllte er dem davonbrausenden Schiff nach.

Erst nach einigen Sekunden wurde ihm die Unsinnigkeit seiner Frage bewusst. Natürlich würde es zerstört werden, aber wie? Doch dann fielen ihm die Worte des Marines an der Einstiegsluke wieder ein. Seine Augen weiteten sich, er fiel auf die Knie und erlaubte sich endlich, seinen angestauten Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Er begann zu brüllen, er schrie seine Wut, seine Trauer und seine Hilflosigkeit heraus.

Soldat Harg Jensen schrie noch, als das Orbitalbombardement die verhüllte Kiste, die toten Chaos Space Marines und seinen Körper in glühende Schlacke verwandelte und das Thunderhawk der Dark Angels in den Orbit schoss.




Urheberrecht: Andreas Pagitz, 2003



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