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  Trewstag, 24. Nachjul 2019
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Eine unwiderstehliche Großartigkeit der Visionen,
eine nicht verwelkende Erfindungsgabe und eine tiefe Menschlichkeit,
die ihm eine seltene Größe verleihen.
- Sunday Times -



DIE RüCKKEHR DES KöNIGS


Das Vierte Zeitalter

Die Reise ist zu Ende. Der Ring ist vernichtet und die Rückkehr des Königs ist geschehen. Nun blicken wir auf ein neues Zeitalter - dem Zeitalter nachdem die größte Geschichte aller Zeiten auf Leinwand gebannt wurde. Ein Zeitalter, das vermutlich niemals wieder einen solch epischen, spektakulären und herzergreifenden Film sehen wird...

Peter Jackson hat Recht behalten - "Die Rückkehr des Königs" ist der beste Teil der Trilogie. Es fällt natürlich schwer die drei Filme miteinander zu vergleichen, doch es ist wie in der Buchvorlage so, dass das Endstück der Geschichte die vorhergehenden erst richtig auf eine Linie zueinander bringt. Wir kennen die Charaktere nun, wir haben die Hindernisse ihrer langen Reise miterlebt - und nun werden alle Fäden zusammenverwoben, in einem allesentscheidenden und alles zum Abschluss bringenden großartigen Finallauf. Ich bin mir sicher, dass man in den zukünftigen über 11-stündigen HdR-DVD-Marathons auf nichts gespannter sein wird als zum krönenden Schluss die Silberscheiben des dritten Films einlegen zu dürfen.

Grandios wie "Die Rückkehr des Königs" eingeleitet wird - die bereits in "Die Zwei Türme" erwartete Rückblende auf den Ringfund von Déagol und Sméagol. Keinen besseren Einstieg hätte es geben können, denn in der kurzen aber hochdramatischen Szene rekapituliert sich furios der innerste Kern der gesamten Trilogie. Der Ring der Macht, und das Böse das er in allen Geschöpfen hervorruft.

War die Erzählgeschwindigkeit bei beiden Vorgängern noch teilweise etwas holprig und gar zu hastig (in den Kinoversionen), so ist das Pacing hier nun perfekt. Langsam aber beständig gewinnt die Dramatik an Fahrt, und man kann sehr gut verstehen wieso Saruman der Schere zum Opfer gefallen ist. Die Geschichte wird mit großer Kraft vorangetrieben, und wir verfolgen das Geschehen bald auf einer Vielzahl von Erzählebenen, zwischen denen völlig schwerelos hin- und hergeschnitten wird. Bei keiner Charaktergruppe wird zu lange verweilt, und keine kommt zu kurz.

Und so erhebt er sich dann alsbald, ein wahrer Behemoth unter den Filmen. Wenn die Kamera über Minas Tirith gleitet, kreisend den Lauf der Signalfeuerkette auf den Ausläufern des Weißen Gebirges mitverfolgt, oder völlig losgerissen dem Flug eines Felsbrockens während der Belagerung bis zu seinem Einschlag beiwohnt, versprüht jeder einzelne Quadratzentimeter der Kinoleinwand mehr Epik als so manch anderer komplette Film. Doch ein Krieg ist entbrannt und die gewaltigste Schlacht der Filmgeschichte gilt staunenden Auges und brennenden Herzens miterlebt zu werden. Saurons Aufgebot an digitalen Heeren ist enorm, und begleitet werden sie von Belagerungstürmen, Katapulten, Trollen, Mûmakil und nicht zuletzt den Nazgûl. Doch auch wenn Helms Klamm zu einem Scharmützel degradiert wird, so fehlt doch dieselbe psychologische Intensität, da der Kampf auf den Pelennor-Feldern bei Tageslicht stattfindet und nicht in der Nacht bei strömendem Regen. Dennoch ein Hochgenuss zu sehen wie die Rohirrim über das Feld fegen, Nazgûl in das Getümmel hinabstoßen, Trolle in Minas Tirith wüten und stampfende Mûmakil zu Fall gebracht werden. Adrenalin pur, gegossen in Bildern, die die Welt noch nicht gesehen hat. Gerade in solchen Momenten erinnert man sich erschrocken daran wie unglaublich es anmutet, dass ein gewöhnlicher Mensch, ein Professor aus England, all dies erdacht haben kann. Und wieviel Respekt den Filmemachern gebührt, da es ihnen gelungen ist dies nun für uns alle sichtbar zu machen.

Doch trotz all des mörderischen Kampfes vergisst der Film seine Charaktere nie. Denethor, den man schon in der DVD-Fassung von "Die Zwei Türme" kennenlernen durfte, fügt sich wunderbar in die grandiose Darstellerriege ein. Dummerweise ähnelt er zwar anfangs zu sehr König Théoden, der sich zunächst wieder einmal trotzig zeigt und nicht dazu bereit ist Gondor zu Hilfe zu eilen, doch bald offenbart sich, dass echter Wahnsinn unter den schweren Roben des Truchsessen lauert. Filmisch exzellent in Szene gesetzt als er "genüsslich" speist während Pippin zum Singen gezwungen wird und sein Sohn Faramir dem sicheren Tod entgegenreitet.
Alle anderen Schauspieler vollbringen ebenfalls durchweg gute Leistungen. Aragorn, Gimli, Legolas und Gandalf in alter Manier (wobei die "Verprügelung" von Denethor durch den Weißen Zauberer doch etwas arg übertrieben wirkte...), und auch Théoden überzeugend als der dem Untergang trotzig ins Auge sehende Anführer seines Volkes. Aber wie im Buch sind es die kleinen Helden und ihre Taten, welche den großen Helden und ihren pathetischen Ansprachen die Schau stehlen.
Zum Beispiel Miranda Otto als Èowyn, welche - getrieben von ihrer versagten Liebe zu Aragorn und dem grenzenlosen Mut sich für jene zu opfern, die sie liebt - das Schwert mit dem Oneliner "Ich bin keine Frau!" durch die Maske des Hexenkönigs jagt und damit gleichzeitig auch jegliche altbackenen Kritiker hinfortfegt, welche noch immer in Tolkiens Werken Patriarchismus und Reaktionäres zu finden glauben. Nur traurig, dass Unwissende Éowyn wohl als das mittlerweile längst übliche und dem Zeitgeist entsprechende "emanzipierte Mädel" ansehen werden.
Doch wieder ist es das Dreieck zwischen Frodo, Sam und Gollum, das uns am stärksten ergreift und damit einen mindestens genauso mächtigen Gegenpol zu der Schlacht um Minas Tirith bildet. Sowohl Elijah Wood, als auch Sean Astin und natürlich Andy Serkis brillieren in einem bösartigen Psycho-Spiel, das zwar so nicht im Buch vorkommt, die drei Charaktere aber über ihre Vorlage hinaus ausdefiniert und dramatisiert. Riesenspinne Kankra, die tricktechnisch durchaus überzeugend umgesetzt wurde, wird vom gemeinen Sméagol, der in Gollum aufzugehen beginnt, auf die hinteren Ränge verwiesen. Denn das wahre Monster ist er! Gerade hier muss man Peter Jacksons Co-Drehbuchautorinnen Fran Walsh und Philippa Boyens besonders loben - es ist ihnen gelungen eine der interessantesten Figuren der Literatur in gleichem Maße in den Film hinüber zu transferieren. Und so tobt der unheimliche Kampf um den Einen Ring, von der ersten Filmminute bis zu seiner Vernichtung im Schlund des Orodruin.
Bis dahin zeigt sich - genauso wie im Buch - dass Samweis der heimliche wahre Held der ganzen Geschichte ist. Wenn jemand für den (unwahrscheinlichen) Nebendarsteller-Oscar in Frage kommt, dann ist es diesmal Sean Astin, noch vor Andy Serkis.

Doch nachdem die große Schlacht vor und in den Mauern der Weißen Stadt geschlagen ist, beginnt der bis dahin einwandfreie Eindruck seine allerersten Risse zu bekommen. Viel zu schnell sind die Wunden geleckt, viel zu hastig bricht man auf und viel zu früh kommt man am Schwarzen Tor an, das nur einen Steinwurf entfernt zu sein scheint. Besonders hier wird die SEE im nächsten Jahr viel auszubügeln haben. Sowohl Faramir und Éowyn sowie die heilenden Hände Aragorns wird man dann sehen können, als auch wie das Heer des Westens an Minas Morgul und der gestürzten Königsstatue an der Wegscheide vorbeikommt (welche dann wohl auch Sam und Frodo zuvor erblicken werden). Hier merkt man dann doch sehr deutlich was für ein Kraftakt es ist, diese epische Geschichte in dreieinhalb Stunden erzählen zu müssen.

Ein Kraftakt muss auch die Entstehung des Drehbuchs gewesen sein. Der Lob an die drei Autoren ist jedoch nicht grenzenlos. Denn ähnlich wie bei "Die Zwei Türme" sind praktisch alle Plot-Änderungen zwar gut begründet und überzeugend umgesetzt, doch bei genauerem Hinsehen erzeugen sie wieder einige Lücken in der inneren Logik der Geschichte.
Wieso liegt Arwen z.B. plötzlich im Sterben und ist an den Ring gebunden? Nur damit Aragorn durch diese Nachricht den letzten Anstoß erhält, seinem Schicksal endlich entgegenzutreten?
Oder: Wie kann Rohans Heer auf einmal wieder so groß und stark sein, wenn man im Vorgänger-Film doch etabliert hat wie schwach verteidigt das Volk von Rohan ist? Hätte man nicht schon gegen Saruman eine Heerschau abhalten sollen, wenn auf diese Weise so viele neue Krieger zusammengetrommelt werden können?
Oder: Warum sieht nur Pippin, dass Faramir noch lebt? Ist die Treue der Gondorianer derart groß, dass sie nicht nur seelenruhig dabei zusehen, wie ihr einstiger Herr dem Wahnsinn anheim fällt, sondern ihm auch noch bei seinem Vorhaben kräftig unterstützen? Löst Tolkien das nicht viel besser mit der heimlichen Verbrennung und dem beherzten Beregond?
Diese Beispiele, so wie auch Szenen wie diejenige, in der Faramir als einziger vom Ausfall der Kavallerie zurückkehrt, mit nur wenigen hundert Metern Vorsprung vor dem gesamten Heerwurm der Morgul-Streitmacht - oder der Umstand, dass das Herannahen der riesigen Mûmakil-Stampede trotz sonstiger Panoramasicht quer über das Anduin-Tal nicht vorzeitig bemerkt wurde - kann man jedoch wohl getrost als kleine ungenaue Details oder eben als "typisch Film" abtun. Andere Änderungen sind dagegen sehr plausibel gewesen und betten sich nahtlos in die Geschichte ein, wie z.B. die Rettung von Minas Tirith durch die Geister von Erech, das Entzünden des ersten Leuchtfeuers durch Pippin (auf Gandalfs Befehl) oder die "öffentliche" Offenbarung des Palantírs.

Änderungen beinhalten auch weggelassene Szenen, und derer gibt es wahrhaft viele. Abschließend darüber urteilen kann man wohl erst mit der SEE, aber es soll gesagt sein, dass es meiner Meinung nach keine Szene in der Kinofassung von "Die Rückkehr des Königs" gibt, die man an Stelle einer anderen hätte opfern können (ganz im Gegensatz zu "Die Zwei Türme"). Auch wenn Peter Jackson sich für das Ende ausreichend viel Zeit nimmt und einigen die hintereinander gestaffelten Abschlusszenen zu langatmig vorkommen wird. Diese Geschichte muss vollständig und respektvoll zu Ende erzählt werden, das ist nichts was man dem regulären Publikum vorenthalten und nur für die Hardcore-Fans auf eine DVD pressen kann. Schade um Ghan-buri-Ghan, Beregond, den Roten Pfeil, dem Stein von Erech, dem Weißen Sämling und das Duell zwischen Hexenkönig und Gandalf - aber es geht sehr gut auch ohne sie.

Und somit endet die größte Geschichte, die jemals erzählt wurde, auch genau so wie sie es im Buch tut und nicht anders. Oder fast. Denn nichts wäre im Film fehler am Platze gewesen als dann noch eine Rückkehr des Schreckens und eine Befreiung des Auenlandes zu erzwingen. Daher erwartet die vier weit gereisten Gefährten am Ende stattdessen auch nur eine vertraute idyllische Hügellandschaft, ein mürrisch dreinblickender Hobbit, sowie vier Krüge voll schäumendem Bier.

Frodos letzte hoffnungsspendenden Worte begleiten Sam als er nach Hause kommt und sie sind somit auch direkt an das Publikum gerichtet:
Unsere Reise ist noch nicht vorüber. Es gibt noch vieles zu tun und zu erleben, bevor auch wir in den Westen fahren...

(Sehr schön übrigens auch der Abspann, mit Konzeptzeichnungen von Alan Lee und John Howe versehen, sowie den Porträts aller Hauptcharaktere. Es lohnt sich also noch sitzenzubleiben - was man aber eh tun sollte, um die Macher des Filmes zu würdigen.)


Fazit:
Wie schon zu Beginn verlautet - "Die Rückkehr des Königs" ist der beste Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie! Peter Jackson und sein unglaublich enthusiastisches und engagiertes Team haben es vollbracht, auf Grundlage von Tolkiens überbordender Kreativität und Phantasie ein (weiteres) opulentes und tief beeindruckendes Film-Meisterwerk zu kreieren. Während ich aber bei "Die Zwei Türme" noch meinte, dass das Buch definitiv immer noch weitaus besser sei (als der sehr gute Film), dann ist das hier schon nicht mehr so einfach zu entscheiden. Denn es ist den Machern gelungen, neben und auch an Stelle von unvergesslichen Momenten der Romanvorlage, neue unvergessliche Momente hervorzurufen. Und genau dies ist das Geheimnis einer guten Adaption - eigene, filmische, Akzente zu setzen, ohne die Integrität der ursprünglichen Geschichte zu zerstören.
Dies wurde getan. Mit visionärer Kraft und Liebe zur Filmkunst, die ihresgleichen sucht. Und so kann man unter anderem Geschichte schreiben. Denn diese Filmtrilogie wird genauso wie die Buchtrilogie noch in Hundert Jahren unvergessen bleiben!
Schade nur, dass es vermutlich nie wieder einen Film dieser Art und Klasse geben wird. Aber schließlich wird es vermutlich auch nie wieder ein Buch wie den "Herr der Ringe" geben...


Huân Vu, 2003




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