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Interview mit Philippa Boyens
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Meldung verfasst am 14. November 2002
Autor: Torw├Ąchter [ torwaechter@sphaerentor.com ]
 

Hier einige interessante Aussagen aus dem Interview in freier ├ťbersetzung:


Philippa Boyens hat mit der "Herr der Ringe" Trilogie ihr allererstes Drehbuch abgeliefert, und hat damit einen eigenen Traum in Erf├╝llung gehen lassen. Seit ihrer Kindheit ist die Lehrerin und ehemalige Vorsitzende der neuseel├Ąndischen Autorengilde ein begeisterter Tolkien-Fan. Und es war nur ein gl├╝cklicher Zufall: Sie erhielt den Job ├╝ber einen Freund, der wusste dass sie ein Fan ist, und sie mit Regisseur Peter Jackson bekannt machte.
Das war 1997, vor f├╝nf Jahren. Und heute arbeitet sie immer noch an der Adaption des "Herr der Ringe" - bis schlie├člich der letzte Teil Dezember 2003 in die Kinos kommen wird.


Creative Screenwriting: "Die Geschichte des 'Herr der Ringe' scheint ein ideales Material f├╝r einen Film zu sein, doch gleichzeitig wirkt sie durch ihre gewaltige Gr├Â├če fast unverfilmbar. Nun da ihr die H├Ąlfte der Trilogie erreicht habt, w├╝rdest du dem zustimmen?"

Philippa Boyens: "Ich glaube jeder Film ist schwer zu machen. Ich habe viel Respekt vor jemanden, der einen Film drehen will. Was ich herausgefunden habe, ist dass es gro├če Unterschiede zwischen der Erz├Ąhlweise eines Buches und eines Filmes gibt. Von Fran und Peter habe ich gelernt, dass Adaptionen ihren eigenen Weg finden m├╝ssen. Wenn man sich z.B. hinsetzen w├╝rde, um einen Film wie 'Die Gef├Ąhrten' zu schreiben, dann g├Ąbe es keine neun Gef├Ąhrten. Man br├Ąuchte keine vier Hobbits, sondern nur zwei. Es g├Ąbe keine zwei B├Âsewichte, die sich so ├Ąhnlich sind und auch noch so gleich klingende Namen haben. Solche Dinge w├╝rde man bei einem Film nicht einbauen, aber sie sind Teile der literarischen Erz├Ąhlung, die Professor Tolkien aus sehr guten Gr├╝nden in sein Werk integriert hat. Also mussten wir einen Weg finden dies alles innerhalb der Erz├Ąhlstruktur eines Films zu verbinden."

CS: "Gibt es etwas, was du aus 'Die Gef├Ąhrten' gelernt und dann bei den 'Zwei T├╝rmen' anwenden konntest?"

PB: "Ich lernte auf das Publikum zu h├Âren. Vieles im Aufbau der Geschichte konnte viel simpler gehalten werden als ich zun├Ąchst dachte. Die Dinge einfach zu halten ist eine gute Vorgehensweise. Zum einen will man nat├╝rlich die Tiefe von Tolkiens Werk beibehalten, aber man darf das Drehbuch nicht damit ├╝berladen - schlie├člich h├Âren die Zuschauer das, wenn zu viele fremde Sprachen und Namen auf sie einprasseln. Und das kann bei Tolkien sehr schnell geschehen. Die Dinge einfach zu halten, ohne den Geist der Geschichte zu verlieren - das ist es was ich gelernt habe."

CS: "Ab dem zweiten Teil wird die Geschichte immer komplexer. Was f├╝r Herausforderungen stellt dies an einen Autoren?"

PB: "Eine der schwierigsten Aufgaben im Filmbusiness - und f├╝r mich war es die wohl gr├Â├čte Herausforderung meines Lebens - ist das Mittelst├╝ck einer Trilogie. Es gibt nur zwei Charaktere aus dem ersten Film, die nicht mehr auftauchen: Celeborn und Bilbo Beutlin. Da haben wir also fast alle Figuren aus dem ersten Teil plus sechs bis sieben neu hinzugekommene wichtige Personen. Und dann teilt sich die Handlung wie in den B├╝chern noch in drei Erz├Ąhllinien auf. Diese drei Geschichten zusammenzuhalten und miteinander zu kombinieren war sehr schwierig.
Tolkien hat das alles nie als Film konzipiert, und das h├Ątte er nat├╝rlich auch nicht sollen. Aber was ich zuvor sagte, dass eine Adaption ihren eigenen Weg finden muss, trifft hier genau zu."

CS: "Was war die schwierigste Entscheidung f├╝r dich, als es darum ging, etwas aus dem Originalplot herauszuschneiden oder beizubehalten?"

PB: "Ich glaube es gab gar keine solchen schweren F├Ąlle. Es war nur schwierig sicherzugehen, dass die Geschichte nicht auseinanderf├Ąllt und keinen Zusammenhang mehr bildet. Die meisten Entscheidungen bez├╝glich der Struktur wurden schon sehr fr├╝h von Fran und Peter gemacht. Wann der Film anf├Ąngt, wo er endet, und wieviel Zeit wir f├╝r R├╝ckblenden aufwenden. Es wird nicht viele R├╝ckblicke geben, kein "Was bisher geschah". Aber wir lassen den zweiten Teil auch nicht als eigenst├Ąndigen Film auftreten. Ich denke selbst Leute, die den ersten Film nicht gesehen haben, werden zurecht kommen und gleichzeitig werden sich auch diejenigen, die ihn gesehen haben, nicht von allzu vielen bekannten Szenen gest├Ârt f├╝hlen."

CS: "Das alles hat 'Das Imperium schl├Ągt zur├╝ck' auch erreicht. Es ist auch ein sehr guter Film und kommt ohne R├╝ckbezug auf 'Krieg der Sterne' aus."

PB: "Absolut. Genau der Meinung bin ich auch. Lustigerweise sah ich 'Das Imperium schl├Ągt zur├╝ck' lange nachdem ich den ersten Teil gesehen hatte. Aber es ist wirklich so, was muss man denn zu Beginn des Films wissen? Nur dass eine Gruppe von Rebellen gegen ein unterdr├╝ckendes Regime ank├Ąmpft. Die Feinheiten in den Beziehungen zwischen den Charakteren zeigen sich von alleine. Selbst wenn man den ersten Film nicht gesehen hat, bekommt man schnell mit, dass es Spannung zwischen Leia und Han Solo gibt."

CS: "Als Tolkien-Fan und als Drehbuchautorin, was stellt f├╝r dich die Besonderheit des zweiten Teils der Trilogie dar?"

PB: "Eines der besten Bestandteile, und da stimmt Fran Walsh ebenfalls mit mir ├╝berein, ist die Einf├╝hrung von Gollum. Ich finde er ist eine geniale Figur, eine der gro├čen Charaktere der Literatur. Und seine Auswirkungen auf Frodo lassen es zu einem echten inneren Kampf f├╝r ihn werden. Die wachsende Last der B├╝rde auf ihn ist unglaublich bewegend. Frodos innerer Konflikt eskaliert zwar im dritten Teil, aber hier im zweiten Teil beginnt das ganze.
Das erste Buch von 'Die Zwei T├╝rme' habe ich beim ersten und den folgendenn Malen eher schnell durchgelesen und ohne tief darin einzutauchen. Aber w├Ąhrend der Adaption erkannte ich, was darin zu finden war: Die Einf├╝hrung der Welt der Menschen und solcher Probleme wie Politik und wie sich die Ziele und W├╝nsche von V├Âlkern und Nationen auswirken. Das Volk von Rohan und das Volk von Gondor, und der Umstand, dass Rohan zun├Ąchst f├╝r sich selbst k├Ąmpfen muss und sp├Ąter Gondor zu Hilfe eilt. Man beginnt mit einer Welt, in der Uneinigkeit unter den Menschen herrscht, aber das ├Ąndert sich als sie bemerken, dass eine neue Welt am entstehen ist. Sie m├╝ssen von der Vergangenheit loslassen, aber gleichzeitig ehren sie sie auf diese Weise auch."

CS: "Was w├╝rdest du als das Grundthema des 'Herr der Ringe' bezeichnen?"

PB: "Gute Frage. Ich wei├č nicht ob ein universelles Grundthema in diesen B├╝chern steckt. Professor Tolkien hat selbst immer Allegorien innerhalb seiner Geschichten zu vermeiden versucht, aber er sagte mal in einem Interview, dass der Tod das Hauptthema sei. [lacht] Was nicht gerade das beste ist, um ein Filmstudio zu ├╝berzeugen! Aber in gewisser Hinsicht denke ich auch an Tod - in Bezug auf das Leben und wie die Menschen es leben. Als Frodo sich am Ende des ersten Films w├╝nscht, dass das alles nicht h├Ątte passieren sollen, und Gandalfs Antwort darauf, sehe ich auf jeden Fall als eines dieser Grundthemen an - die Entscheidungen, die man trifft, und wie sie sich auf einen auswirken. Es geht darum sich selbst und anderen treu zu sein."

CS: "Die Kultur von Mittelerde ist ein so wunderbares Quellenmaterial f├╝r einen Deehbuchautoren. Wer oder was sind deine Favoriten?"

PB: "Ich muss gestehen, dass mir die Hobbits sehr gefallen. Baumbart und die Ents sind fantastische Kreationen - die Idee von diesen uralten Wesen, die sich pl├Âtzlich in einer Art modernen Konflikt wiederfinden ist einfach genial. Ich habe auch immer Kankra sehr gemocht, die gro├če Spinne. Und Zwerge. Es gibt in 'Die Zwei T├╝rme' eine kleine Sequenz, in der auf die Geschichte der Zwerge n├Ąher eingegangen wird. Ich glaube meine Fasziniation f├╝r sie r├╝hrt noch vom 'Kleinen Hobbit' her."

CS: "Bislang ist es klar, dass Peter Jackson so nah wie m├Âglich am Text bleiben m├Âchte. Wird es gr├Â├čere ├änderungen in Teil Zwei und Drei geben?"

PB: "In 'Die R├╝ckkehr des K├Ânigs' wird es wohl weniger ├ťberraschungen geben wegen seinem gewaltigen H├Âhepunkt, der der filmischste Teil des 'Herr der Ringe' ist, seitdem die Technik ihn verfilmbar gemacht hat. Die Mission von Frodo und Sam den Ring zu zerst├Âren. Sauron l├Ąsst seine Armeen los und es kommt zu einer gigantischen Schlacht. Aragorns Weg zum K├Ânigstitel. Das ist alles ganz sch├Ân spannendes Material f├╝r eine Geschichte."

CS: "Aufgrund der Struktur und des Erz├Ąhlflusses sind einige Ereignisse aus dem zweiten Teil bereits im ersten gezeigt worden. Gibt es weitere Schl├╝sselszenen aus 'Die Zwei T├╝rme', die umarrangiert werden mussten?"

PB: "Ja, f├╝r 'Die Gef├Ąhrten' dachten wir es w├Ąre n├Âtig und ich glaube es war die richtige Entscheidung. Wir haben zudem die Begegnung mit Kankra in den n├Ąchsten Film verlegt. Aus zwei sehr guten filmischen Gr├╝nden: Zum einen w├Ąre es sehr hart gewesen den Zuschauern zwei H├Âhepunkte zu bieten, Helms Klamm und der Kampf mit Kankra. Das w├Ąre sehr unstimmig gewesen, da beide auf v├Âllig unterschiedlichen Emotionen basieren. Zudem glaube ich auch nicht, dass der wundervolle Moment im Buch von Frodos vermeintlichen Tod als Cliffhanger funktioniert h├Ątte. Man h├Ątte zu schnell herausgefunden, dass es nicht der Fall ist. Genauso auch wie die R├╝ckkehr Gandalfs nicht wirklich geheim gehalten werden kann. Der zweite Grund war einfach, dass wir dann zu wenig ├╝ber Frodo und Sam im dritten Teil zu erz├Ąhlen gehabt h├Ątten."

CS: "Warst du angesichts all dieser Feinheiten und schweren Entscheidungen beunruhigt ├╝ber die Kritik von Hardcore Tolkien-Fans?"

PB: "Nat├╝rlich sind sie von ihrer Sichtweise ├╝berzeugt, aber gl├╝cklicherweise scheinen diese Filme von den Fans sehr positiv aufgenommen zu werden, da sie wissen was wir hier zu erreichen versuchen. Von Anfang habe ich gehofft, dass es Fans sind, die die B├╝cher verfilmen werden - und es hat sich bewahrheitet. Eine andere Gruppe von Fans w├╝rde das alles ganz anders angehen, also kann man nur seiner eigenen Vision treu bleiben - oder in diesem Fall der von Peter, die wir alle teilen. Das ist alles was man machen kann."




Kommentare

[ 17.11.2002 | Kommentar von [ GAST ] ]

hehem, hust: Sam, nat├╝rlich
 

[ 17.11.2002 | Kommentar von [ GAST ] ]

Die wollten Sma Gamdschie sicherlich nicht zu einer Frau machen, das h├Ątten
sie sich nicht getraut. Aber die Filme als glorreich zu bezeichnen ist etwas
merkw├╝rdig aus meiner Sicht, ich meine Frodo und Sam in Osgiliath, Faramir
der vermeindliche Ringdieb, kein Imrahil also ich wei├č nicht...
 

[ 15.11.2002 | Kommentar von [ GAST ] ]

anvorlage ge├Ąndert wurden. Wie schockiert war ich als anf├Ąnglich noch von
einem weiblichen Sam Gamgie die Rede war, weil das Hobbit Verh├Ąltnis
angeblich zu schwul wirke und man dies dem Durchschnittszuschauer nicht
zumuten k├Ânne.

Also seit froh wie gut die Adaption mit
gl├╝cklicher Mitwirkung von Frau Boyens verlief und freut euch mit mir auf die
letzten zwei glorreichen Teile von "Herr der Ringe"!!!

Peter
Thome
 

[ 14.11.2002 | Kommentar von redsimon ]

Mir gehts genauso, h├Ątte am liebsten alles wie im Buch gehabt. Aber ohne Geld
l├Ąuft so ein Riesenfilm halt nicht.
 

[ 14.11.2002 | Kommentar von [ GAST ] ]

Ich bin zu konservativ f├╝r solche Fragen. H├Ątte mir auch 15 Stunden die
Gef├Ąhrten angeschaut, aber naja sie wollten ja auch andere ins Kino locken...
 

[ 14.11.2002 | Kommentar von Liuya ]

Ich bin froh, dass Phillippa Boyens am Drehbuch mitgeschrieben hat! Was sie
sagt ist so gut und wahr, und sie hat vieles so richtig gemacht!
 



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