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Meldung vom 04. Juli 2007
http://www.sphaerentor.com/wh40k/index.php?file=archiv.php&id=1924

Jervis Johnson im Interview

»Der Zuständige für Produkt- und Hobbystrategie stand fragenden Besuchern von Tabletop Gaming News Rede und Antwort.«


TGN: Wird Games Workshop die angebliche Wh40k-Version für Experten umsetzen, an welcher Andy Chambers Gerüchten zufolge arbeitete, bevor er die Firma verließ, oder ist diese sogar bereits in der Mache?

JJ: Ich liebe diese Internet-Gerüchte! Andy hat nicht an so etwas gearbeitet bevor er ging, und wir haben definitiv auch nichts dergleichen in Planung - wir sind sehr glücklich mit dem Regelwerk wie es ist. Was in den Gerüchten gemeint sein könnte, ist vielleicht eine damals angedachte Variante von Wh40k, ähnlich wie 'Kill Team', aber mit Enteraktionen von Raumschiffen als Thema. Am Ende entschieden wir, dass wir 'Space Hulk' neu herausbringen sollten, falls wir wirklich etwas in dieser Richtung machen möchten. Und das ist bis heute auch unser Standpunkt geblieben.
Aber bevor das hier neue Gerüchte in Umlauf setzt: Nein, wir wir haben keine Pläne bezüglich einer neuen Edition von 'Space Hulk' in näherer Zukunft. Wenn der richtige Moment dafür gekommen ist, werden wir es aber sehr gerne angehen.

TGN: Als der Zuständige für die Produkt- und Hobbystrategie bei Games Workshop - was war deiner Meinung nach die beste Verbesserung, die von dir ausging und welche Verbesserungen hoffst du in Zukunft umsetzen zu können?

JJ: Ich denke es ist wichtig zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass es nicht meine Rolle ist, zu entscheiden, was Games Workshop tut und was wir produzieren. Ich helfe dabei Pläne aus der Konzeptphase in die Realität zu bringen, vor allem durch das Ausloben neuer Projekte, durch die Unterstützung bei der Festlegung von Designrichtlinien, oder eben auch das Kreieren von eigenem Material. Ich weiß, es wirkt manchmal so als ob das alles meine eigenen Ideen wären, aber in Wahrheit arbeite ich als Teil eines talentierten Teams, und wir entscheiden zusammen in welche Richtung es gehen soll.
Da das nun geklärt wäre: Ich denke die wichtigste Verbesserung war es, dass wir uns von der Fixierung auf die kompetative Turnier-Spielweise gelöst haben, und uns nun ausgewogener mit allen Aspekten des Hobbys beschäftigen, sei es nun das Bemalen von Citadel-Miniaturen, das Austragen von thematischen Schlachten, das Durchführen von Kampagnen, das Spielen von Standardduellen, die Teilnahme an Turnieren, oder was auch immer. Das ist einer der Gründe dafür, weswegen ich so begeistert bezüglich 'Mächtige Königreiche' für Warhammer und der kommenden Apokalypse-Erweiterung für Wh40k bin. Beide zeigen auf, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt unsere Spiele einzusetzen, und stellen sich gegen die Annahme, dass das Hobby nur darin bestünde, eine 1500-2000 Punkte starke Armee aufzubauen, die man perfekt aufmotzt, um damit Standardduelle zu gewinnen. Das ist eine Art zu spielen, aber nicht die einzige.

TGN: Wie sieht eure Sicht bezüglich älterer Spieler aus und wie versucht ihr sie weiterhin für GW Spiele zu interessieren?

JJ: Da ich selbst ein älterer Spieler bin, betrachte ich sie alle natürlich als wunderbare, gebildete Menschen, welche die leuchtenden Vorbilder des Hobbys darstellen. Nun ja, die meisten jedenfalls, zu meister Zeit. :)br> Spaß beiseite, erfahrene Hobbyisten sind wirklich sehr wichtig für uns, aus eben genannten Gründen, und wir nehmen ihre Bedürfnisse ernst. Wir müssen dies jedoch auch mit den Bedürfnissen aller anderen ausbalancieren. Es ist z.B. nicht klug etwas zu produzieren, was erfahrene Spieler begeistert, aber die weniger erfahrenen Spieler verwirrt.
Das ist der Grund für den konzeptionellen Vorstoß in Sachen "Kernregelwerk", welches ausreichend Material beinhalten soll, um sowohl den gestählten Veteranen als auch den Neueinsteiger mit allem Nötigen zu versorgen.
Aber wie jeder erfahrene Spieler weiß, besteht das Hobby aus viel viel mehr als nur dem, was wir in unserem Kernregelwerk behandeln. Um diese anderen Aspekte zu beleuchten planen wir eine zunehmende Menge an Erweiterungen herauszubringen, sowie diverse andere coole/interessante Dinge, die nicht direkt etwas mit dem Spiel oder den Regeln zu tun haben. Die Herausforderung liegt darin es zu schaffen, dass diese Dinge dem Kernhobby mehr Tiefe verleihen, ohne dieses zu verändern oder zu modifizieren. 'Städte in Flammen', 'Mächtige Königreiche' und 'Apokalypse' sind allesamt Beispiele für diese neue Vorgehensweise.
Ich denke, dass diese Erweiterungen und unser Bestreben andere Seiten des Hobbys verstärkt zu behandeln, viele der erfahrenen Spieler dazu bringen wird an der Stange zu bleiben. Wenn es uns gelingt, dann wird es immer etwas neues interessantes zum Ausprobieren geben.

TGN: Wird es jemals wieder Brettspiele von dir geben, wie 'Battle for Armageddon', 'Horus Heresy' oder 'Doom of the Eldar'?

JJ: Ich weiß es nicht, ob ich dazu kommen werde, aber ich bin sicher, dass wir irgendwann in der Zukunft wieder solche Spiele in unserem Sortiment führen werden. Es gibt aber momentan keine konkreten Pläne für neue Brettspiele.

TGN: Wann wird es ein einheitenbasiertes Massenschlachtspiel für 'Herr der Ringe' geben?

JJ: Ein solches Spiel gibt es bereits, es heißt 'Battle of the Five Armies' und ist wirklich sehr gut geworden. Wir haben aber keine Pläne so etwas mit unserer 25mm Reihe zu machen, zumindest nicht in näherer Zeit. Doch es ist immer wieder von so etwas die Rede wenn wir über die Zukunft des HdR Tabletopspiels diskutieren, also möchte ich es auch nicht komplett ausschließen.

TGN: Wie sieht das GW Hobby und der Tabletopmarkt in fünf Jahren aus?

JJ: Das ist unmöglich zu beantworten diese Frage. Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte, ich hätte niemals vorhersehen können wo wir heute stehen würden. Aber wenn es sein muss, ich denke dass in fünf Jahren mehr Leute Citadel Miniaturen sammeln, bemalen und damit spielen werden als heute, und dass ich immer noch in der Gegend sein werde, Ärger machend und überall mitlauschend.

TGN: Wie sieht deine Meinung bezüglich vorbemalten Miniaturen aus? Denkst du, dass es für GW die Möglichkeit gibt über solche mehr Spieler zu gewinnen?

JJ: Wir werden keine vorbemalten Figuren produzieren, aus dem einfachen Grund, weil wir das Bemalen als einen sehr wichtigen und vitalen Teil des Hobbys betrachten. Ist es deswegen schwieriger neue Hobbyisten zu rekrutieren? Ja, das ist es in der Tat. Wären wir aber glücklich damit den Leuten zu erzählen, dass Bemalen nicht zum Hobby gehört? Auf keinen Fall wären wir das! Ergo wird es auch nie vorbemalte Miniaturen bei uns geben. Versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen Spiele mit solchen, aber diese gehören nun mal zu einer anderen Art von Hobby als es das unsrige ist.

TGN: Würdest du das Specialist Games Experiment als Erfolg bezeichnen?

JJ: Nun ja, es hatte sicherlich seine scheinenenden Momente, und wir lernten viel darüber, wie man die Spezialistenspielreihe am besten unterhält, und darüber, wie wir sie besser an den Mann bringen und in Zukunft beliebter machen können. Leider lernten wir all das, weil Fanatic nicht das erreichte, was wir uns erhofft hatten. Als wir dies erkannten, mussten wir zurück ans Reißbrett gehen und einen neuen Plan aufstellen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die gelernten Lektionen dazu führen werden, dass wir nächstes Mal bessere Arbeit mit den Spezialistensystemen leisten werden.

TGN: Wir bekommst du Arbeit, Familie und Spielen unter einen Hut?

JJ: Nur mit aller Mühe!
Naja, das ist auch gar nicht völlig gelogen, denn wie alle arbeitenden Eltern wissen, kann das Jonglieren mit Arbeit, Familie und persönlichen Interessen sehr schwierig sein. Was ich versuche, ist es die Familie an erste Stelle zu setzen und mit ihr so viel Zeit wie möglich zu verbringen, und dabei dennoch genug für die Arbeit und das Spielen von Spielen zu haben.
Ich versuche außerdem mein persönliches Hobby vom Arbeitshobby zu trennen. Mit meinem persönlichen Hobby kann ich alles machen was mir gefällt, aber bei der Arbeit muss ich an die Bedürfnisse aller denken, die am Games Workshop Hobby teilnehmen. In anderen Worten: Ich muss versuchen 'mein Hobby' vom eigentlichen 'Hobby' getrennt zu halten. Das ist schwieriger als man denkt, aber eine wichtige Sache, die jeder, der bei Games Workshop arbeitet, lernen muss.

TGN: Hast du erwartet, dass deine Karriere bei Games Workshop so lange andauern würde, als du dort anfingst? Und amüsiert sich das Kind in dir immer noch darüber, dass du für Spielen bezahlt wirst?

JJ: In meinen wildesten Träumen hätte ich nicht erwartet, dass meine Karriere derart verlaufen würde. Ich fing in der Telefonmarketing-Abteilung an, wo ich die Spielzeugläden anrufen musste und ihre Bestellungen annahm. Wenn man mir erzählt hätte, dass ich 25 Jahre später immer noch bei Games Workshop arbeiten würde, und vor allem dass ich ein Spieldesigner sein würde, der Fragen bezüglich unseren Spielen beantwortet, nun, ich hätte mich wohl kaum vor Lachen halten können.
Und ja, das Kind in mir ist sowohl amüsiert als auch glücklich darüber, dass ich für das Spielen bezahlt werde. Wenn es mal stressig wird, zum Beispiel wenn eine Deadline naht, oder weil Leute mir erzählen, dass die Welt untergeht, weil Deathwing Terminatoren nur eine Sturmkanone erhalten dürfen, dann versuche ich mich zurückzulehnen, tief einzuatmen und mir selbst zu sagen: 'Ich habe einen Job gefunden, in dem ich dafür bezahlt werde Spiele zu spielen - was für ein Glück!' - und plötzlich sieht dann alles sehr viel angenehmer aus. :)



Sphärentor 40.000
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