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RUF DER MACHT KAPITEL 7

Teil 7:

Mit gesenktem Blick eilte Landril über die sanft gewellte Landschaft. Kniehohes Khavgras schlug gegen seine Beine, doch es behinderte ihn kaum. Seine Gesichtszüge wirken fahl und eingefallen. Schatten schienen sich um seine Augen gelegt zu haben und er wirkte älter als dies noch vor wenigen Tagen der Fall gewesen war. Seit die Träume angefangen hatten.
In der Nacht als Shalla ihm ihr Wissen in den Schädel gepflanzt hatte fingen die Träume an. Sie führten ihn durch das Weltall, zeigten ihm die Welten der Menschen. Zeigten ihm wie es dort aussah. Zeigten ihm das Grauen, das dort lauerte. Offenbarten ihm die Lüge!
Landril rannte bis die Muskeln in seinen Beinen sich anfühlten wie brennendes Öl. Erschöpft ließ er sich auf den Boden fallen. Rammte seine Knie in die weiche Erde und legte die Stirn auf den kühlen Boden. Unter seinem schwer gehenden Atem wurden Krümel trockener Erde zur Seite gefegt, doch Landril genoß den Geruch der Erde und des Grases.
Das Laufen half ihm seine Gedanken zu ordnen. Das Wissen, das ihm die Träume schenkten zu verarbeiten.
Er wußte nun, dass es dort draußen, fern von seiner Welt ein Imperium gab. Uralt und durch und durch verdorben. Unter dem Deckmantel des Schutzes wurde von denen, die eigentlich für die Menschen sorgen sollte, sie beschützen willkürlich gemordet. Blinder Fanatismus trieb die Massen an, die nichts anderes waren als Vieh für die Mächtigen. Willenlos ließen sie sich vorführen und dankten dem Imperator noch für ihr Elend.
Riesige Heere sorgten dafür dass alles so blieb wie es war. Sie kämpften gegen Nichtmenschen um in nächsten Augenblick eine bewohnte Welt ihrer Schützlinge auszulöschen, nur weil sie anders leben wollten.
Er stieß angewidert den Atem aus und eine Staubwolke stob auf. Landril hustete und richtete den Oberkörper auf. Mit einer Hand fuhr er sich über das schweißnasse Gesicht und wischte kleben gebliebene Erdkrumen fort. Mit geschlossenen Augen saß er dort auf seinen Knien und ließ sich den leichten Wind über das Gesicht wehen.
Die Träume zehrten an ihm, das wußte er. Keine Nacht verging, in der er mehr richtig schlafen konnte. Und das zeigte sich allmählich. Landril wurde stiller und er wirkte angespannter und erschöpfter.
Was würde er dafür geben wieder einmal durch zu schlafen!
Ein Geräusch ertönte hinter im. Ein blubberndes Schnauben. Es war Shalla's Farris. Sie war die letzten Tage ebenfalls stiller geworden, seit Landril nicht mehr auf ihre Sticheleien reagierte. Er öffnete die Augen und sah sich um.
Mit einem mißmutigen Zug um den Mund saß sie auf dem Tier und starrte zu ihm herunter.
"Na, genug Auslauf gehabt für heute? Wenn du soweit bist, können wir ja weiter. Es ist nicht mehr weit."
Landril stand auf und fuhr sich mit den Fingern durch das Haar.
"Ja, das hast du gestern auch gesagt. Und vorgestern!"
Sie winkte abfällig ab.
"Ist ja auch so. Verglichen mit dem Flug von hier bis Medusa ist es ein Witz!"
Er fing an sich die Erde von den Knien zu schlagen. Trotzdem sah er einmal dabei auf.
"Nach Medusa werden wir auch nicht laufen können."
Einen Moment stutzte er, ehe er weiter sprach.
"Wo liegt Medusa überhaupt?"
Shalla kicherte einen Augenblick und lenkte ihr Farris in eine andere Richtung.
"Medusa? Ist sehr weit weg von hier. Fast am anderen Ende der Galaxis. Liegt ganz in der Nähe des Wirbels."
Landril horchte auf. Den Begriff kannte er. Aus seinen Träumen.
"Des Wirbels?"
"Ja, genau, der Wirbel des Chaos. Das Schreckensauge. Das Tor zu Hölle oder wie du es auch immer nennen magst. Verdammt gefährliche Gegend. Gewaltige Warpstürme herrschen dort. Die Barriere zwischen unserem Universum und dem Warpraum ist dort durchbrochen, sagt man. Wesen des Warp wechseln dort ungehindert zu uns über. Die ewig Verdammten und die Anhänger des Chaos hausen dort."
"Wer?"
"Oh Himmel, Jüngelchen, weißt du denn gar nichts?"
In einer verzweifelt anmutenden Geste reckte die Alte ihre Hände in den Himmel.
"Pass mal auf, Jüngelchen. Vor vielen Jahrtausenden rebellierten die Hälfte der Truppen des Imperators und lehnten sich gegen ihn auf. Diese Verräter wie man sie heute nennt, verbündeten sich mit den Wesenheiten des Warpraums. Dies veränderte sie. Sie waren nicht mehr menschlich und bekämpften das Imperium wo sie nur konnte. Es hat unzählige Tote gegeben und die Verräter flohen schließlich in das Schreckensauge oder den Wirbel des Chaos oder wie auch immer."
Shalla's Stimme war fast bis zu einem Flüstern herabgesunken, so als fühle sie sich nicht wohl von diesen Dingen zu sprechen. Landril fragte sich ob ihr dies schon in jungen Jahren beigebracht worden war.
"Wie kann man sich denn mit den Wesen des Warp verbünden? Ich dachte sie seien wie wilde Tiere, die jeden angreifen würden", fragte er frei heraus und sah mit einer gewissen Befriedigung wie sie zusammenzuckte. Die ganze Zeit hatte sie ihn spüren lassen für wie ungebildet sie ihn hielt, doch seit sein Verstand nachts die Sterne durchstreifte hatte sich etwas verändert.
"Scht! Sprich nicht so laut von solchen Dingen! Ich habe davon gehört. Die niederen Bewohner des Warp sehen in dir nicht mehr als eine Mahlzeit, doch in den großen Makropolen flüstert man sich in manchen Gebieten zu, das die höheren Wesen intelligent seien."
Sie sah sich verstohlen um, eine unbewußte Geste, die in den menschenleeren Ebenen so lächerlich wirkte, das Landril beinahe lachen mußte.
"Es ist gefährlich für Menschen, sich mit den dunklen Göttern einzulassen, Bengel. Es führt einen in die Verdammnis. In den Tod oder Schlimmeres. Die Abtrünnigen in dem Wirbel sind keine Menschen mehr. Sie sind .... ach ich weiß auch nicht."
Interesse glomm in Landril's Augen als er Shalla in der Hoffnung ansah, das sie weiterreden möge, doch die alte Frau zog lediglich ihre Flasche aus dem Mantel und nahm ein paar schnelle Schlucke. In seinen Träumen hatte Landril schon von den vier Dunklen gehört, doch nur sehr wenig. Meistens besuchte sein Traumgeist nur die Welten der Menschen und offenbarte ihm das Elend der Menschen, die nicht einmal ahnten wie sehr sie von der gigantischen Imperiumsmaschine verschlungen wurden.
"Was sind die dunklen Götter, Shalla? Ich habe noch nie von ihnen gehört. Warum fürchtet man sie so sehr", fragte er geradeheraus
Zu seiner Überraschung lachte sie kurz auf, auch wenn es ein freudloses Lachen war.
"Die dunklen Götter? Jüngelchen, du begibst dich auf einen gefährlichen Pfad, auch wenn du es nicht weißt. Man sollte nicht zuviel wissen. Glaube mir, wenn ich dir sage, dass es nicht zur Auswahl für dich steht. Und für mich auch nicht. Für keinen!"
Und doch hatten sich die Hälfte der Legionen des Imperators dafür entschieden, kam es ihm in den Sinn. Der Gedanke ließ Landril nicht mehr los. Er hatte genug über das Imperium in seinen Träumen gesehen um zu wissen, dass es kein Ort war, an dem es ich zu leben lohnte. Gewalt, Verkommenheit, Gier, Machtbesessenheit und Fanatismus schienen die Standbeine des Imperiums zu sein.
Waren die sogenannten Verräter nur diejenigen die so nicht mehr leben wollten. Hatten sie sich inmitten des Wirbels einen Ort geschaffen, an dem sie frei waren?
Landril wußte es nicht und er spürte, das Shalla ihm nichts mehr erzählen würde. Zumindest an diesem Tag nicht mehr.
Wieder einmal kehrten seine Gedanken zurück zu seinem Vater und seinem Bruder. Orlril war so versessen darauf gewesen mit den Kriegerbrüdern ihres Vaters zu gehen, dass er alles hinter sich gelassen hatte. Selbst den Tod ihres Vaters hatte er nicht mehr mitbekommen. Wahrscheinlich hatten die Space Marines ihn Orlril verheimlicht. Er fragte sich ob er seinen Bruder je wieder sehen würde und gestand sich ein, das die Antwort eher ‚nein' lauten würde.
Orlril würde diese Welt verlassen und ein neues Leben beginnen. Ein Leben im Namen des Imperators. Als Beschützer der Menschheit. Als Marionette in den Händen jemand anderes. Er würde Außerirdische töten, Verräter und Männer wie ihren Vater. Menschen würden seinen Namen preisen, weil sie glaubten er handle im Namen eines Gottes, wenn er ihr Haus abbrennen und ihre Freunde töten würde.
Tränen schossen Landril in die Augen und nahmen ihm die Sicht. Was war das für ein grausames Schicksal. Warum konnte nicht alles bleiben wie es war?
Erinnerungen zogen durch Landril's Bewußtsein. Erinnerungen an früher. Erinnerungen an Tage, die nicht so lange zurücklagen. Zornig wischte er sich die Augen mit den Händen.
Alles war zerstört, weil die Space Marines kamen und ihr Grauen auf diese Welt brachten. Er schlug mit der Faust auf den Boden. Es war gut, dass er einen von ihnen getötet hatte. Es war gerecht. Sie sollten alle sterben, dann wären die Menschen frei. So frei um leben zu können wie sie wollten und nicht wie ihnen ein Haufen gezüchteter Killer es ihnen befahl.
Er fühlte eine Hand auf seiner Schulter. Landril drehte den Kopf und sah Shalla, die neben ihm stand. Er war irritiert. Auf ihrem Gesicht konnte er Mitgefühl lesen. Keine Spur von der zynischen, selbstgerechten Alten Hexe, die ihn die letzten Tage immer wieder provoziert hat. Ihre Augen blickten freundlich und die Falten um sie herum waren nicht verkniffen. Selbst ihre Stimme klang anders als er sprach.
"Auch wenn es abgedroschen klingt. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du darüber redest. Möchtest du mir erzählen was passiert ist."
Landril schmeckte Galle in seinem Mund. Konnte er ihr trauen? Er wußte es nicht, aber er traf trotzdem eine Entscheidung. Langsam nickte er und bedeutete ihr sich ihm gegenüber zu setzen.
"Ich bin der Sohn eines Hrutonjägers. Mein Bruder und ich lebten mit unserem Vater auf unserer Farm. Es war ein einfaches Leben voller Arbeit, doch wir waren zufrieden. Unser Vater war ein sehr großer Mann, ganz anders als die Männer in den Städten. Eines Tages sahen wir seltsame Spuren am Himmel und er erklärte, dass er für einige Tage weg müsse. Er sprach von seinen Kriegerbrüdern, von Raumschiffen, anderen Welten. Ich verstand zu der Zeit kaum wovon er redete. Mein Bruder und ich warteten einige Tage. Schließlich kam eine Flugmaschine, ein Thunderhawk, und mein Vater und ein paar andere Männer, die ebenso groß waren wie er stiegen aus. Vater gab ihnen eine Truhe, die mit seltsamen Zeichen bedeckt war."
Landril unterbrach sich und kämpfte mit der Erinnerung. Shalla machte Anstalten etwas zu sagen, doch er hob die Hand und sie blieb stumm.
"Ihr Anführer, ein Seargant Canus, dankte meinem Vater für das Behüten der Truhe, die sehr wichtig für sie war. Einen Augenblick später klagte er ihn an."
"Weshalb", fragte die Alte.
"Weil er gegen die Gebote seines Ordens verstoßen hat. Er war vor vielen Jahren hier gelandet und der einzige Überlebende. Sein Verbrechen war, das er die Menschen so hat leben lassen wie sie waren und ihnen nicht einen anderen Glauben aufzwang. Er heiratete und bekam seine Kinder. Das war sein Verbrechen. Dafür ermordeten sie ihn", stieß Landril bitter hervor.
"Dafür tötete ich einen von ihnen", gab er flüsternd zu.
Shalla sagte eine Weile nichts. Sie sah ihn nur an. Dann nickte sie und legte ihm ihre Hand auf den Arm.
"Das erklärt den schwelenden Zorn in dir. Die Space Marines leben nach strengen Regeln. Sie sind die Auserwählten des Imperators. Sie sind ohne Gnade für diejenigen, welche gegen die Gebote nicht befolgen. Dafür sind sie da."
"Es sind mörderische Bestien", zischte Landril haßerfüllt.
"Da hast du Recht", gab die Alte nickend zu.
"Sie beschützen das Imperium mit allem was sie haben. Sie geben ihr Leben und nehmen jegliches Leben das sie für nötig halten ohne Rücksicht. Du hast dir mächtige Feinde geschaffen, mein junger Freund."
Landril lachte bitter auf
"Sie haben versucht mich umzubringen. Nachdem ich einen von ihnen getötet habe, wollten sie mich umbringen. Das was mal mein Zuhause war, ist nun eine eingestürzte Schutthalde. Sie glauben ich wäre tot. Ich hatte Glück."
"Und dein Bruder? Wie heißt er eigentlich?"
"Orlril", antwortete Landril mit düsterer Miene.
"Ja. Was ist mit ihm? Lebt er noch?"
"Landril sah zu Boden und eine Welle des Zorns schoß in ihm hoch. Sein Bruder! Der ihn und Vater verlassen hatte um sich den Mördern anzuschließen.
"Nein", sagte er tonlos, "er lebt nicht mehr. Meinen Bruder gibt es nicht mehr!"
Beide schwiegen. Die Alte schien zu spüren, daß Landril nicht mehr sprechen wollte und drängte ihn entgegen ihren Gewohnheiten nicht weiter, wofür er recht dankbar war.
Während sie dort saßen und Landril auf die Erde zu seinen Füßen blickte, merkte er wie ein Gefühl von Resignation in ihm aufstieg. Wofür tat er das alles? Warum nicht einfach in die Stadt gehen und sich den Space Marines stellen. Sie würde ihn töten wie seinen Vater und alles wäre vorbei.
"Glaubst du, das hat alles einen Sinn", fragte er und sah auf.
Ihr Gesicht war wie eine Maske, die ihm entgegensah. Die blassen grünen Augen schienen durch ihn hindurch zu sehen, der Mund mit den blutleeren Lippen war leicht geöffnet und ein Speichelfaden begann sich seinen Weg durch einen Mundwinkel zu bahnen.
Erst als er sie ansprach kehrte so etwas wie Leben in ihr Gesicht zurück. Sie wischte sich den Speichel mit dem Ärmel ihre Mantels weg und versuchte so etwas wie ein Lächeln um ihn aufzumuntern, was aber daran scheiterte, das sie dabei die Ruine ihres Gebisses entblößte.
"Wer weiß? Du lebst jedenfalls und an dem Zustand solltest du festhalten, mit allen Mitteln. Sieh mal. Als ich vor fast dreißig Jahren hier notlanden mußte, dachte ich es wäre nur für kurze Zeit. Das bald ein Schiff kommen und das Notsignal empfangen würde."
Sie lachte sarkastisch und wies mit den Händen auf sich und den Boden.
"Aber, wie du siehst, bin ich noch immer hier. Niemand kam. Also machte ich mich daran das Schiff zu reparieren. Aber... alleine ist das eine sehr, sehr schwierige Angelegenheit."
"Hast du mich deswegen geholt. Damit ich dir bei der Reparatur helfe?"
"Deswegen, oh nein. Was könntest du mir auch schon helfen? Verstehst du dich auf Raumschiffe. Ich denke nicht. Nein, deine Hilfe ist bei etwas anderem nötig."
Sie holte tief Luft und ließ sie dann langsam wieder aus ihren Lungen fahren. Ihr Blick kehrte sich nach innen als sie die Erinnerung wachrief.
"Als klar war, das unser Schiff beschädigt war und würde notlanden müssen, war uns klar, das es schwer werden würde. Allerdings wurde es noch schlimmer. Du mußt wissen das große Sternenschiffe nicht dafür gebaut sind auf Planeten zu landen. Wir konnten den Fall nur verlangsamen und beten. Als wir jedoch in die Atmosphäre eintraten, flog das Schiff beinahe auseinander. Vieles versagte, unter anderem die Maschinen, die uns im Inneren schützen sollten. Die Luft entwich und Strahlung drang ein. Giftiges Gas trat aus den Maschinen aus. Viele starben. Schließlich versuchte ich es mit einer Verzweiflungstat."
Sie lächelte versonnen als sie daran dachte.
"Du muß wissen ich war nicht immer ein altes zahnloses Weib. Damals war ich ein heißer Feger. Von mir und meinen Fähigkeiten mehr als überzeugt. Und auch stärker. Ich sammelte also meine Kräfte und hüllte die Überlebenden in ein psionisches Schutzfeld das ich in aller Eile wob. Ich selbst trug einen Schutzanzug. Dann kam der Aufschlag. War nicht sehr angenehm. Als ich wieder zu mir kam, lag ich inmitten eines verbogenen Haufen Schrottes, der einmal die Kommandozentrale gewesen war. Ich war verletzt, aber ich lebte. Und die anderen auch. Einige Servitoren hatte es auch überstanden. Also machte ich mich daran das psionische Schutzfeld aufzuheben um die anderen aufzuwecken und mit der Reparatur des Schiffes zu beginnen."
"Etwas ging schief", warf Landril ein. Es war eine Feststellung, keine Frage.
"Ja, etwas ging schief. Es gelang mir nicht. Die anderen blieben in dem Schutzfeld gefangen. Ich habe alles versucht, doch ich hatte einen guten Teil meiner Kräfte in die Schaffung des Feldes eingebracht und nun war ich nicht mehr stark genug."
"Und ich soll nun....", stellte Landril fest.
"... mit helfen die Mannschaft des Schiffes aus dem Psifeld zu befreien. Genau", schloß Shalla.
"Wie?"
Sie hob die Hände und ließ sie dann wieder auf ihre Beine fallen.
"Wie? Ich werde dich lehren müssen mit deinen Fähigkeiten umzugehen. Reine Kraft hilft hier nicht viel. Es geht um Feinheiten. Wir werden einen Weg finden, wie du mich mit deinen Kräften unterstützen kannst."
Landril schürzte die Lippen und sah in den mit grauen Wolkenfetzen behangenen Himmel hinauf. Er legte die Hände zusammen und fixierte Shalla mit festem Blick.
"Ich möchte dir eine Frage stellen. Was habe ich davon? Bei allem was bisher passiert ist, habe ich nur zurückstecken müssen. Warum sollte ich dir bei einer so gefährlichen Aufgabe helfen. Und gefährlich wird es sein! Erzähl mir nichts anderes!"
Es war wie ein Flackern über ihren Gesichtszügen. Mit einem Mal war da noch die verständnisvolle alte Frau die ihm eben noch zugehört hatte und dann war da wieder die alte Shalla, die ihn mit zynischen Bemerkungen drangsalierte und um dessen Mund immer ein höhnisches Lächeln zu sehen war. Selbst ihre Körperhaltung änderte sich und wurde wieder schroffer.
Sie beugte sich vor und bedachte ihn mit einem stechenden Blick aus ihren blassen grünen Augen.
"Was du davon hast, Bengel? Mal davon abgesehen, dass ich dir die Chance biete von dieser stinkenden Provinzwelt zu fliehen? Oder das ich dir angeboten habe deine Ausbildung zum Psioniker weiterzuführen? Das ich dir deinen miesen kleinen Arsch gerettet habe, als du wimmernd und dich einnässend auf dem Boden gelegen hast? Was willst du denn noch?"
Ruckartig fuhr sie auf und ging zu ihrem Farris. Landril konnte ihr wütendes Schnauben hören als sie sich entfernte. Ihre Worte klangen in ihm nach. Ja, was wollte er noch? Ihr Angebot klang gut. Aber was er wirklich wollte konnte er nicht bekommen. Sein altes Leben war für immer verloren. Jetzt blieb ihm nur noch der Weg nach vorne. Wenn er diese Welt verlassen konnte, stand ihm alles offen. Er war nicht so naiv, das er glauben konnte sich an den Mördern seines Vaters rächen zu können oder seinen Bruder zu finden. Dazu war die Galaxis zu groß. Er war zu unbedeutend. Dazu kam, dass es für seinesgleichen gefährlich war im Imperium. Wenn die falschen Leute von ihm erfuhren, würde er wahrscheinlich umgehend exekutiert werden.
Landril fuhr sich mit einer Hand über das Kinn, als er seine Möglichkeiten bedachte. Tatsächlich blieb ihm nur die alte Frau.
Entschlossen stand er auf und ging ihr mit raschen Schritten hinterher.


Fortsetzung folgt.....



Urheberrecht: Heiko Stallmann, 2006



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