Ruf der Macht Kapitel 9

von Heiko Stallmann

Teil 9:

Etwas Ähnliches hatte Landril noch nie zuvor gesehen. Kunstvolle, aus Stein gemeißelte Bögen schwangen sich über die Türen der Luftschleuse. Fremdartig anmutende Figuren und Gesichter waren um sie herum abgebildet. Landril fuhr mit den Fingern über eine lebensecht anmutende Steinfigur, die halb aus der Wand herauszutreten schien.
Shalla trat neben das Außentor und drückte auf einige in die Wand eingelassene Runen, die unter ihrer Berührung rötlich aufglommen.
Übereinanderschabendes Metall kreischte schmerzhaft laut auf, so daß Landril sich die Ohren zu halten mußte und das Tor schloß sich mit einem lauten Knall.
Für einen Moment war es stockfinster in der Schleuse. Ein Anflug von Panik stieg in ihm auf. Wenn sich die Tore nicht wieder öffneten, würde dies hier ihre Grabkammer werden. Landril schluckte. Seine letzten Tage zusammen mit der zänkischen Psionikerin zu verbringen... Nein, danke!
Dann flackerten Lichter in den aus den Wänden ragenden Halbkugeln auf und tauchten den Schleusenraum in unstetes, schwefelgelbes Licht. Die Helligkeit, der in den Kugeln brennenden Flammen nahm zu bis ein kaltes blauweißes Licht den ganzen Raum erfüllte. Mit schmerzenden Augen wandte Landril den Blick von den Kugeln ab und betrachtete stattdessen was die Psionikerin tat.
Er konnte Schweißperlen auf ihrer gefurchten Stirn sehen, als sie in einer Wandnische wieder einmal die ihm fremden Runentasten bediente. Diesmal jedoch befand sie sich neben der innen liegenden Tür. Leise fluchende Worte drangen aus ihrem zu einem dünnen Schlitz verkniffenem Mund. War etwas nicht in Ordnung? Er ging um sie herum um ihr über die Schulter auf die Runentasten zu sehen, doch sie hielt ihn mit einer Hand auf.
"Was glaubst du was du da tust, Bengel", herrschte sie ihn an.
"Ich wollte sehen ob ich dir helfen kann das Tor zu öffnen", schnauzte er zurück und wischte ihre Hand von seinem Arm.
Sie sah ihn finster aus zusammengekniffenen Augen an.
"Du hast doch überhaupt keine Ahnung was hier vor sich geht, Bengel. Statt hier wie ein kopfloses Huhn herumzulaufen und mich wahnsinnig zu machen, tu was Sinnvolles und setzt deinen Arsch dorthin und sei still!"
Sie gestikuliert unwirsch auf eine der die Wände entlang laufenden steinernen Bänke. Landril stand vor ihr und biß die Zähne vor Wut so fest zusammen, das seine Wangenmuskeln schmerzten. Der Kraftfluß in seinem Kopf wallte und brodelte, begierig darauf, dass er ihn entfesselte und in die alte Frau fahren ließ. Landril verstärkte seine geistigen Schilde und hielt die Kraft zurück. Wenn er die alte Frau tötete würde er hier nie wieder herauskommen.
"Na, was ist nun, Bengel? Glotz nicht so in die Gegend. Setz dich hin und halt den Mund!"
Obwohl er einen Anflug von Galle in seinem Mund schmeckte, wandte er sich ab und stampfte mit zitternden Beinmuskeln auf eine der Steinbänke zu. Eine in den Stein gemeißelte Kante mit winzigen, menschlichen Gestalten, die eine Schlacht zu schlagen schienen umlief die Bank. Landril ließ sich darauf fallen und umklammerte mit beiden Händen die Sitzfläche. Die Kühle des Steins sog ihm die Wärme aus den Fingern.
Mit einen abfälligen Schnauben drehte sich die Psionikerin wieder herum und widmete sich weiterhin dem Runenfeld. Landril sah auf ihren sich bewegenden Rücken. Es wäre so einfach. Sie würde ihn nie wieder wie Dreck behandeln.
Er schüttelte den Kopf und vertrieb diese Gedanken. Sie waren beide auf sich angewiesen. Shalla würde ohne seine Hilfe das psionische Feld nicht knacken können, das die Besatzung des Schiffes in Stasis hielt und er würde ohne sie diese Welt nicht verlassen können. Es würde die Zeit kommen, da sie etwas von ihm brauchen würde.
Doch bis dahin blieb ihm nichts anderes übrig als ihre Bemerkungen zu schlucken.
Landril sah wie ihr Körper sich bewegte, dann sprang sie einen Schritt zurück und stieß einen frustrierten Schrei aus. Ihre Hand schlug auf das Feld mit den Runentasten und ein Fluch in einer unbekannten Sprache entfuhr ihr. Was dann geschah, ließ Landril seine Nackenhaare sich aufstellen. Ihre Hand griff sich an den Kopf und in das kurze graue Stoppelhaar hinein. Deutlich konnte Landril den Kraftstrom spüren, der in die Realität sickerte und um sie herum Form annahm.
Haarfeine Ranken aus Energie drangen in die Runentasten ein und ließen sie aufglühen.
Aus der Wand war ein Grollen zu vernehmen. Staub begann aus den Fugen des Tors zu rieseln, das sich mit malmenden Geräuschen erhob und in den oberen Teil der Wand schob.
Triumphierend drehte sich die Alte um und bedachte ihn mit einem herausfordernden Blick. Landril hob nur die Schultern und stand von der Bank auf. Er sagte kein Wort. Stattdessen ging er an ihr vorüber auf das geöffnete Tor zu hinter dem nur absolute Dunkelheit zu erkennen war.
Stickige, verbrauchte Luft strömte in die Luftschleuse und brachte den Geruch von trockenem Staub mit. In seiner Nase begann es zu kitzeln.
Das Licht aus der Schleuse leuchtete einen Abschnitt hinter dem Tor aus und legte einen Teil eines Ganges für das Auge frei. Im Schein des Lichtes erkannte Landril, das er etwa vier Meter breit und ebenso hoch sein mußte. Landril trat ohne zu zögern in den Gang und betrachtete die gewölbte Decke. Augenblicklich sprangen die Flammen in den Kugeln in die Höhe, welche wie in der Schleusenkammer in die Gangwände eingelassen waren.
Von seiner Position aus breiteten sich die Lichter wie eine Welle aus bis sie sich durch eine Biegung des Ganges in der Ferne verloren. Landril konnte viele Lücken in der Beleuchtung erkennen, wo in den Leuchtkugeln keine Flamme stand um den Gang zu beleuchten.
Von Zeit zu Zeit war eine Öffnung in den Wänden zu erkennen. Wie in der Schleusenkammer waren auch hier die Türen mit einem in Stein gemeißelten Bogen umgeben auf dem sich verschiedene steinerne Gestalten tummelten. Einige waren zerbrochen und die Bruchstücke lagen auf dem matten Boden. Unwillkürlich hatte Landril den Atem angehalten. Erst als der Druck in seiner Brust unangenehm wurde erinnerte er sich daran, daß er Luft holen mußte.
Ein Geräusch hinter ihm ließ ihn sich herumdrehen. Shalla war neben ihn getreten und sah mit einem wehmütigen Gesichtsausdruck den Gang hinunter. Sie hob eine Hand und wies in die gleiche Richtung.
"Wir müssen dort entlang. Wir haben uns damals alle in dem Hauptfrachtraum versammelt, damit ich sie vor der Strahlung und dem Absturz schützen konnte."
Ein tiefes Seufzen entrang sich ihrer Brust. In diesem Moment kam sie Landril sehr verletzlich vor, so als wäre ihr Panzer aus Zynismus und verletzenden Bemerkungen von ihr abgefallen. Seltsamerweise drängte es ihn weniger danach dies auszunutzen als er vermutet hatte und so gab er den Drang nicht nach, sonder hörte nur aufmerksam zu.
Die alte Psionikerin ging an ihm vorüber und ihre Füße zeichneten deutliche Abdrücke in den auf dem Boden liegenden Staub. Kleine Wolken umtanzten ihre Füße ehe sich der Staub wieder legte. Der Luftzug ihres Mantels fegte über den Boden wie ein Sturm über das Meer und wirbelte noch mehr davon auf. Landril hustete leicht als der Staub in seine Kehle drang.
Wortlos folgte er der alten Psionikerin, die jetzt ebenfalls stumm blieb.
Sie führe ihn den Gang entlang, der hinter einer Kurve zu einer breiten Wendeltreppe auslief, welche in die Höhe ebenso führe wie in die Tiefe. Auch hier erwachten die Flammen in den Halbkugeln, als sie sich näherten. Sie blieben stehen. Landril sah nach oben und konnte einen breiten Riß in der Treppe erkennen. Zu seiner Erleichterung führte Shalla ihn die Treppe hinunter, die in einem Saal endete, der etwa dreimal so groß war wie die Schleusenkammer. Ein großes bronzefarbenes Doppeltor nahm eine komplette Wand des Saales ein.
Shalla räusperte sich. Auch ihr war der feine Staub in die Kehle geraten.
"Wir sind da, Jüngelchen. Dort habe ich das Werk meines Lebens vollbracht. Es wird an dir liegen, ob wir es wieder zerstören können."
Landril nickte nur. Er richtete seine Sinne auf das Tor. Ein feines Ziehen war in seinem Nacken zu spüren und drängte ihn durch das Tor zu schreiten. Mit seinen sensibilisierten Sinnen nahm er das fließen der psionischen Energie wahr, dessen Auswüchse er bis zu sich fühlte.
Die alte Frau kicherte als sie ihn betrachtete.
"Du kannst es fühlen, nicht wahr? Ich auch. Dort hinter diesem Tor, mein Junge, werden wir beide etwas Großartiges vollbringen. Komm."
Sie schritt voran und wie von selbst bewegten sich die Torflügel auseinander. Es gab auch kein metallisches Reißen, wie Landril erwartet hatte, sondern nur ein sanfter Brummlaut drang an seine Ohren.
Hinter den Torflügeln lag Dunkelheit, doch Landril konnte einen Geruch vernehmen den er im ersten Moment nicht einordnen konnte, bis es ihm plötzlich einfiel. Er schnupperte noch einmal. Es roch wie bei einem starken Gewitter, wenn viele Blitze eingeschlagen waren.
"Das ist Ozon", merkte Shalla auf, die seinen Gesichtsausdruck bemerkt hatte.
"Das Psifeld, zusammen mit den anderen Kraftfeldern, die um die Besatzung gelegt sind, sorgen dafür das Ozon aus der Luft entsteht. Wir sollten eine Weile warten, bevor wir da reingehen."
"Warum? Was ist Ozon?"
"Ozon ist ein Gas, Jüngelchen. Du kannst es nicht sehen, aber wenn du zuviel davon einatmest, wirst du ersticken und das wollen wir ja nicht, oder?"
Er schüttelte den Kopf.
"Nein, nicht wirklich."
"Siehst du. Und da ich zuletzt vor sechs Jahren hier war, sollten wir erst einmal überprüfen, ob die Luftumwälzungsmaschine es noch tut. Wäre doch ein Jammer, wenn wir den ganzen Weg nur gemacht hätten um hier zu ersticken."
Ernüchtert blieb Landril wo er war, als Shalla an ihm vorüberging um eine Klappe in der Wand zu öffnen. Knirschend schob sich der Stein zur Seite und gab den Blick auf ein weiteres Feld voller Runentasten frei. Diesmal jedoch war eine Platte aus Glas darüber angeordnet. Bunte Linien und Balken bewegten sich darauf. Anscheinend konnte Shalla damit etwas anfangen, denn sie nickte befriedigt. Sie winkte ihm aufmunternd zu.
"Ist alles in Ordnung, Jüngelchen. Wenn wir noch einem Moment warten ist die Luft so gut wie die draußen."
Ihre Finger huschten über die Runen und der Bild auf der Glasplatte veränderte sich. Schimmernde Punkte erschienen und gleichzeitig wurde es in der Halle hinter dem Tor heller. Landril sah nur einen kleinen Ausschnitt von der Stelle, an der er stand und so ging er ein paar Schritt auf die Mitte des Tores zu.
Er schnappte nach Luft. Etwas so gigantisches wie diese Halle hatte er noch nie gesehen. Sie mußte sich hunderte von Metern von ihm weg erstrecken und dabei war sie sicherlich an die dreißig Meter hoch und ging nochmals zehn Meter in die Tiefe. Ihre Breite konnte Landril ebenfalls nur schätzen. Vielleicht hundert Meter, vielleicht auch noch zwanzig mehr. Ihm schwindelte es ob dieser Ausmaße. Große Kugeln in denen das ihm schon bekannte Feuer loderte hingen an der hoch aufragenden gewölbten Decke und erleuchteten alles.
Hinter dem Tor befand sich eine Plattform, die an die fünf Meter in die Halle ragte. Laufstege führten links und rechts von ihr ab und liefen entlang der Seitenwände. Hin und wieder wurden sie unterbrochen von Leitern, welche die Wände hinauf und hinab führten.
Ungläubig betrat Landril die Plattform und ging bis zu der sie umlaufenden Balustrade, an der er stehenblieb um in die Tiefe zu blicken.
Auf dem Boden der Halle standen rechteckige Behälter, welche die Größe von Häusern hatten. Sie waren mit Runen beschriftet und oft so hoch übereinander gestapelt, das sie bis an die Decke reichten. Zwischen ihnen ragten Säulen von dem Boden bis an die Decke. Sie dienten sicherlich dazu die Behälter sichern zu können, als auch die Konstruktion zu stützen. Einige von ihnen waren zerbrochen und ihre Trümmer bedeckten den Boden. In der Nähe dieser zerstörten Säulen waren die Behälter umgefallen und aufgebrochen. Landril unbekannte Gegenstände lagen dort verstreut herum. Er vermutete, dass dies beim Absturz des Schiffes geschehen war.
In der Ferne glühte etwas bläulich, doch er konnte nicht genau erkennen was es war, da es von den großen Behältern verdeckt war.
Hinter sich hörte er eine Bewegung und er drehte sich um, da er Shalla fragen wollte, wo sich denn nun die Besatzung in dem Psifeld befinden würde.
Die Gestalt, die er stattdessen erblickte, ließ ihn einen Sprung in die andere Richtung machen. Er stieß einen erschrockenen Schrei aus.
Was vor ihm stand, muß einmal ein Mensch gewesen sein, doch davon konnte man nicht mehr viel erkennen. Beide Arme fehlten und waren durch metallische Apparaturen ersetzt worden. Die linke Schulter und ein Teil der Beine waren ebenfalls aus Metall. Drähte führten von den Metallgliedern heraus und endeten im Fleisch der Kreatur, wo sie unter der Haut verschwanden. Vom Kopf fehlte mehr als die Hälfte und war ebenfalls durch Metall ersetzt worden. Stählerne Zähne grinsten ein Totenkopflächeln. Das rechte Auge war nicht mehr als eine rot glühende Grube und auch hier führten Drähte und Kabel in das Fleisch hinein.
Das Ding reagierte nicht aus seinen Schrei, sondern starrte ihn nur aus seinem verbliebenen, tot wirkenden Auge an.
Er hörte ein krächzendes Kichern, das in einen Hustenanfall überging.
"Du solltest dein Gesicht sehen, Jüngelchen. Bist so weiß wie eine frisch gekalkte Wand."
Ein erneuter Hustenanfall unterbrach die alte Frau und schüttelte ihren dürren Körper.
"Was zur Hölle ist das", rief er und entfernte sich ein Stück von der Kreatur.
Ihr Kopf folgte seiner Bewegung.
"Das ist ein Servitor, Bengel. Was denkst du, wer das Schiff repariert hat in den letzten dreißig Jahren. Es gibt noch eine ganze Menge mehr von ihnen."
Sie trat zu der Menschmaschine und warf einen Blick auf eine Platte am Hinterkopf des Wesens.
"Hm, ja. Also das war irgendwann mal der erste Offizier des Schiffes. Für seine Verdienste hat man ihm nach seinem Tod zum Servitor umfunktioniert."
Sie schlug dem Servitor anerkennend auf die Schulter. Landril mußte würgen.
"Na, na, na, Jüngelchen. Das ist doch nichts Schlimmes. Wenn du diese Welt verlassen willst um auf dem großen Spielplatz dort oben zu spielen mußt du schon einen besseren Magen mitbringen. Was denkst du was sich dort draußen alles tummelt, häh?"
Sie kam zu ihm herüber und boxte ihm leicht in die Seite. Landril konnte den Blick nicht von dem Servitor richten. Das da sollte nichts schlimmes sein? In seinem ganzen Leben hatte er noch nie etwas so unnatürliches und widerliches gesehen.
Der Servitor bewegte sich, so das Landril das leise Zischen hören konnte, das aus den Maschinenteilen seines Körpers drang.
Die alte Psionikerin ließ ein meckerndes Lachen erklingen und ging auf eine andersfarbige Fläche innerhalb der Plattform zu. Der Servitor folgte ihr wie ein Hund. Landril bewegte sich nicht von der Stelle und erst als Shalla ihm unwirsch winkte machte er zögernde Schritte in ihre Richtung. Er stellte sich mit auf die blaue Fläche, auch wenn er darauf achtete das zwischen ihm und dem Metallding die alte Frau stand.
Sie kommentierte seinen befangenen Gesichtsausdruck mit einem höhnischen Grinsen ehe sie mit dem rechten Fuß auf einen Schalter am Boden trat.
Der plötzliche Ruck riß ihn fast von den Beinen. Die blaue Fläche sank durch den Boden der Plattform auf den Boden der Halle zu. Landril wurde langsam nervös. Ihre Reise würde nun bald ein Ende nehmen. Würde es ihm gelingen mit der Alten die Besatzung aus dem Psifeld zu befreien? War er stark genug? Hatte Shalla ihm genug beigebracht um die Aufgabe zu bewältigen?
Das mußte sie schon! Schließlich lag es in ihrem Interesse von dieser Welt zu fliehen. Trotzdem waren da Zweifel in ihm. Sie hatte keine Rücksicht genommen als sie ihm ihr Wissen eingetrichtert hatte. Wie konnte er da sicher sein, das er die Auslösung des Psifeldes auch unbeschadet überstand?
Die Antwort schlich sich unheilvoll in seine Gedanken. Er konnte es nicht! Die Chance, das er heil aus der Sache herauskam war genauso groß wie die, das er danach ein sabberndes Wrack war, wenn er überhaupt überlebte.
Der Ruck als die blaue Metallplatte auf dem Hallenboden aufsetzte riß ihn aus seinen düsteren Gedanken. Shalla zupfte ihm am Ärmel und er folgte ihr zögernd.
Die alte Frau machte einen zufriedenen Eindruck. Ihre Bewegungen wirkten viel ungezwungener und leichter, so als ob ihre Anwesenheit an diesem Ort die Schmerzen in ihren Gelenken lindern würde.
Ihr sonst immer leicht abgehackt wirkender Gang wirkte fast flüssig.
Landril ging hinter ihr und der Menschmaschine her. Rings um ihn erhoben sich die haushohen, gestapelten Behälter, wie die Wände einer Schlucht. Ein Gefühl der Beklemmung ergriff ihn. An die Weite einer gigantischen Grasebene gewöhnt, engte ihn diese riesige Halle ein. Die Decke erschien ihm mit einem Mal gar nicht mehr so hoch, sondern schien sich im Gegenteil zu ihm herunter zu biegen. Die gestapelten Behälter neigten sich ihm entgegen und entsetzt stieß Landril einen Schrei aus.
Shalla fuhr herum und blickte ihn verwundert an. Ihr Gesicht zeigte Verwunderung, so wie seines Entsetzen ausdrückte. Er riß eine Hand in die Höhe und zeigte panisch auf die Behälter die jeden Augenblick auf ihn herunterstürzen konnten.
"Da! Sieh doch. Sie werden einstürzen!"
Er warf sich herum und wollte zurück zu der Plattform stürzen doch eine stählerne Klammer legte sich um seinen Arm und riß ihn zurück. Der Servitor hatte ihn gepackt und hielt ihn unerbittlich fest.
Landril schrie und die Furcht spülte erneut alle Barriere hinfort, die er sich durch Shalla's Training aufgebaut hatte.
Er hörte die Stimme der alten Frau etwas Unverständliches rufen, doch das Brausen in seinen Ohren übertönte alle Geräusche. Die Kraft schoß durch seinen Kopf und brannte sich ihre Bahn durch seine Augen, die in weißem Feuer glühten.
Wie schon zuvor schossen zwei silberweiße Blitze aus seinen grell leuchtenden Augen und vereinigten sich zu einem Armdicken Energiestrang, der in den Servitor einschlug und ihn auseinanderriß.
Die Wucht der Explosion schleuderte Landril auf den Rücken. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen und ließ seine Sicht für einen Moment verschwimmen.
Er blinzelte und sah bunte Funken vor seinen Augen tanzen. Im war schwindelig und er schüttelte den Kopf um wieder klar zu werden. In seinen Ohren pochte sein Pulsschlag und entfernt konnte er die Stimme der alten Frau hören.
Ein wütendes Gesicht kam in sein Blickfeld. Es war Shalla, die ihn am Hemd griff und mit aller Kraft ins Gesicht schlug.
"Du verdammter Narr! Willst du uns alle umbringen? Wozu habe ich dir das alles beigebracht? Du kannst dich ja nicht einmal bei den Grundlagen konzentrieren. Beherrsche die Kraft in dir!"
Sie holte wieder aus, doch Landril fing ihren Arm mit seiner Hand ab. Kaltes Feuer brannte in seinen Augen und badete ihr Gesicht in seinem Licht. Nackte Furcht stand in ihren Zügen, als er ihre Hand zur Seite drückte.
"Ich habe dich verstanden", knirschte er.
Das Wissen in seinem Kopf rang mit seinen Gefühlen und gewann schließlich die Oberhand. Das Feuer in seinen Augen erlosch und er sackte erschöpft in sich zusammen. Sein Blick verirrte sich nach oben, doch kein Behälter schien sich auf ihn stürzen zu wollen.
"Ich dachte sie würden einstürzen", flüsterte er kaum hörbar, "ich bin in Panik geraten".
"Ach was", hörte er Shalla's ätzende Stimme, " da wäre ich kaum drauf gekommen. Wofür habe ich mir mit dir die Abende um die Ohren geschlagen, wenn deine Selbstbeherrschung nicht einmal dafür ausreicht."
Sie warf die Hände in die Luft und stieß einen Fluch aus.
"Wie soll ich mit so einem Narren ein Psifeld auflösen? Ich hätte es wissen müssen! Verdammte Hinterwäldler! Verdammter Drecksplanet! Verdamm....."
Sie brach ab und zog ihre Flasche aus ihrem Mantel. Mit hektischen Bewegungen löste sie den Verschluß und setzte sie an ihre Lippen. Hastige Trinkgeräusche erklangen. Landril sah angewidert zu. Es war ihm schon länger klar, daß Shalla das Zeug in der Flasche brauchte um über den Tag zu kommen, doch es so deutlich zu sehen war eine andere Sache. Sie hatte einen ganzen Vorrat davon in den Taschen ihre Farris untergebracht.
E bewegte den Kopf und belastete die Nackenmuskeln, um ihre Verspannung zu testen. Ein leichtes Ziehen fuhr durch seinen Hals. Es war nicht weiter schlimm.
Vorsichtig erhob er sich. Der Schwindel war verschwunden und auch sein Herzschlag hatte sich beruhigt. An der Stelle wo der Servitor gestanden hatte war der Boden geschwärzt. Stinkende Flüssigkeit war über einen Bereich von mehreren Metern gespritzt und angeschmolzene Metallteile lagen überall herum. Es stank nach verbranntem Fleisch. Landril sah dort hinüber wo der Großteil des Servitors hin gerutscht war. Eine unförmige, verbrannte Masse aus Metall und Fleisch lag verkrümmt an einem der riesigen Behälter.
Eine Faust stieß leicht gegen seine Schulter. Shalla war neben ihn getreten.
"Ja, Bengel. Sieh es dir ruhig an. Wenn du nicht endlich lernst dich zu beherrschen, können wir die ganze Sache vergessen. Um ein Haar hättest du mich gleich mit gegrillt."
Ihre Stimme klang so unbekümmert wie immer, doch Landril konnte die Furcht darin spüren. Aus irgendeinem Grund erfüllte ihn dies mit Befriedigung.

Fortsetzung folgt.....



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