Ein Ende

von Martin Behm

Als Doorn die mächtigen Torflügel durchschritt und den Throndom betrat, war es, als wäre der Schlachtenlärm, der über diese Welt tönte, mit einem Mal abgeschnitten. Hunderte Meter über ihm wölbten sich gewaltige Kuppeln, Kuppeln unter denen einst mächtige, vom Imperator belächelte Männer residiert hatten um die Geschicke dieser Welt zu lenken. Nun war diese, nur noch ein Friedhof, auf dem das Schlachten unaufhörlich andauerte. Ein Krematorium, welches ganze Armeen verschlang und sie als Ausgeburten des Chaos wieder in das Universum spuckte.
Doorn war hier um das Übel an seiner Wurzel zu packen.

“Mein tiefstes Bedauern, selbst für einen Menschen seid ihr zutiefst hässlich!”
Dort stand er, dieser eine nach dem Doorn schon so lange gesucht. In dem Rüstzeug eines Space Marines, eine meisterhafte Rüstung von schwarzer Farbe und alt goldenem Beschlag. Jahrhunderte, so kündeten die Inschriften, hatte ihr Maschinengeist sie im gerechten Dienst erhalten. Unbehelmt war der Unheilige. Langes, schweißfeuchtes, dünnes, schwarzes Haar hing in verklebten Strähnen in den Halskragen. Das Gesicht in Gespenstischem weis und Augen von rubinrotem Glanz.
Eine Haltung, leger in der Hüfte geknickt, den Kopf zur Seite geneigt, fast weiblich, tödlich.
“Eine solche Rüstung kleidet euch nicht, Belphagor, Ihr verdient sie nicht!”
“Eine gute Wahl nicht wahr? Mein Wirt hat sich auch ausgesprochen hartnäckig gewehrt. Ihm war seine Seele so lieb. Ich habe sie gefressen!”
“Unheiliger!”
"Nicht wahr? Seine Ordensbrüder waren, wie soll ich sagen, ja, sie waren überrascht als ich über sie herfiel, nur wenige sind mir entkommen", er machte eine kleine Pause. Ein Lächeln verunstaltete sein Gesicht, welches einmal unter Normalen als schön gegolten haben mochte: "Wechseln wir das Thema Inquisitor, ich bin erfreut euch hier zu sehen, diese einfachen Menschen langweilen mich. Der Intellekt leidet bei so etwas, einen von eurem Schlag hatte ich schon lange nicht mehr." "Es wird auch keinen Weiteren nach mir mehr geben. Ich werde dich auf ewig aus unserer Welt bannen!" Der Dämon brach in schallendes Gelächter aus, es kam stoßweise, dunkel, kalt.
"Das mein werter Freund haben schon so manch andere versucht. Sie alle scheiterten an ..., mir!" Wieder schallendes Gelächter.
"Wissen sie, was ich an den Menschen schon immer mochte“, fuhr der Dämon fort: "Im Gegensatz zu anderen Kreaturen können selbst die Ältesten unter euch, gebunden an eure kleine Welt, an mickrige Vorstellungen welches sie als universal betrachten, noch wie Kinder verhalten. Dann glauben ihr doch tatsächlich ihr würdet das Universum verstehen, es in euere Gesetzmäßigkeiten zwingen können um diese dann mit aller Gewalt zu umklammern und mit Krieg und Leid zu erhalten, nur von der Angst besessen ihre wahrhaftige Natur zu erkennen. Die eigene Fehlbarkeit zu erkennen. Diese Angst, ja, sie ist es, die euch mehr Leid in das Universum tragen lässt als ich es könnte, ihr habt mir diese Dimension wohnlich gemacht."
Für dich wird es nur noch einer Wahrheit geben Belphagor: Untergang!" Doorn hob seinen Psibolter mithilfe seiner Terminatorrüstung spielend und feuerte im Widerschein der brennenden Treibgase auf den Unheiligen. Der gab sich keine Mühe auszuweichen. Die Geschosse trafen den Brustharnisch und rissen tiefe Furchen in den imperialen Adler. Belphagor wurde durch die Wucht der Einschläge taumelnd zurückgedrängt, fasste sich und richtete sich wieder auf.
“Oh ihr Menschen seit so beschränkt! Warum sterbt ihr nicht einfach, das würde uns Zeit und mühe sparen!”
“Niemals werden wir es zulassen dass euer Abschaum das Universum regiert. Der Imperator ist der einzig rechtmäßige Herrscher.”
Doorn schritt langsam auf den Unheiligen zu.
„Ich werde mich daran erinnern, wenn ich seinen Leib aus dem goldnen Thron reiße!" Nur der widerhallende Atem welcher sich an seinem gepanzerten Kragen fing, war sein Begleiter. Angst, trotz seiner Jahrhunderte währenden Erfahrung hatte er Angst.
“Ja.” Belphagor sog erkennbar Luft in seine gierigen, verderbten Lungen.
"Das liebe ich, der Geschmack euerer Angst ist so süß, dass ich davon nicht genug bekommen kann. Ich frage mich ob mir der Moment eures Todes besser schmeckt, als eure Angst zu scheitern und mir in die Hände zu fallen. Eure Angst, nicht der Imperator wird über euch richten sondern das ich eure jämmerliche Seele mir einverleibe, stärker werde und euch für immer auslösche!" Langsam ging Belphagor in die Hocke. Mit weit gespreizten Schenkeln, genüsslich fuhr er mit seinen behandschuhten Fingerspitzen über den mit kleinen Trümmern übersäten Boden.
“Siehst du das? Es wird nicht mehr als dies hier übrig bleiben, wenn wir mit eurer Zivilisation fertig sind. Es wird mir eine Freude sein, persönlich eure Geistlichen der Ekklesiarchie ins Verderben zu stoßen.”
Mit einer explosiven Bewegung sprang Belphagor unvermittelt auf Doorn zu. Dieser hatte nicht einmal mehr die Zeit einen Schuss abzugeben oder sein Schwert auf seinen Feind zu richten. Belphagor rang den Diener des Imperators zu Boden. Er hockte auf ihm und hauchte seinen fauligen Atem in Doorns Gesicht.
"Wie ist das, wenn man sich bewusst wird das sein Leben durch Versagen sein Ende findet?" fragte Belphagor fast schon neutral. Doorn schüttelte sich, er war in der festen Umklammerung des Dämonen. Seine ganze Kraft welche er mit der Rüstung aufzubringen in der Lage war half nichts, er hatte keine Chance. Die klebrigen, dünnen schwarzen Haare seines Gegenübers hingen ihm ins Gesicht, strichen über seine Haut und ließen schleimige Feuchtigkeit zurück. Die leuchtenden Augen, sie brannten sich in sein Inneres, zerstörten jede Blockade, jede Hoffnung. Es war, als ob der Dämon in seinem Kopf selbst sitzen und seinen menschlichen Verstand zerfetzen und wie weichen Pudding herunter schlingen würde.
Etwas drang an sein Ohr, eine Stimme, von außerhalb, flüsternd. In einem Nebel aus Vergessen gehüllt konnte er nicht verstehen, was dort gesprochen wurde.
Dann verschwand jeder Druck, er war wieder klar und standhaft im Geiste. Langsam klärte sich auch sein Blickfeld.
Er erkannte nach Kurzem zwei Gestalten. Die eine schob sich panisch auf ihrem Hinterteil von der anderen mithilfe ihrer Füße fort. Ein abgetrennter Arm lag direkt neben Doorn.
Die kriechende Gestalt quiekte panisch. Es war Belphagor. Die andere Gestallt war schwarz, auch sie trug das Rüstzeug eines Marines. Trug aber eine seltsame Waffe, eine Hellebarde, jedoch mit Klingen an beiden Enden, sanft geschwungen, das Blut des Dämonen kochte und zischte auf den Energie geladenen Klingen. Der Geruch von verbranntem Fleisch lag alles überlagernd in der Luft.
“Seelenloser, Seelenloser, das wirst du bezahlen, niemand greift mich an, ich bin Belphagor. Prinz und dein Albtraum.”
"Ich glaube du bist eher Vergangenheit. Weist du, was mit Dämonen passiert die durch diese Waffe sterben?" Langsam hob er die Waffe an, im fahlen Licht des Domes wirkte sie mächtig, selig.
“Mir hat sie jemand geschenkt der im Sterben lag, er ist für mich gestorben. Diese Waffe hat einst den Imperator beschützt, nun ist sie mein Instrument der Rache. Rache an allen denen die durch Torheiten in dem Glauben leben sie würden die Regeln in diesem und in anderen Universen aufstellen. Diese Klinge wird dich zerschneiden und deine Existenz für immer beenden. Deinen Verrat beenden.
Ist das nicht mal was Belphagor, der Tod? Ich schenke dir eine Erfahrung, welche ich nicht einmal durch diese Waffe erleben kann. Ich bin der Tod, das Ende dieses Irrsinns, und ich werde bis ans Ende aller Galaxien wandeln um das ewige Ende auch zu den deinen zu bringen." Belphagor riss in einer letzen Erkenntnis die Augen auf, feine Äderchen platzen vor unnatürlicher Anspannung und er begann in kleinen Rinnsälen aus den Augen zu bluten.
“Du bist der Wissende? Verschwinde! Ich kann deinen Anblick nicht ertragen. Lass mich in Ruhe! Verschwinde!” Belphagor war zu einem Haufen jammerndem Etwas zusammengekauert. Ein Dämon, ein Prinz des Chaos, lag dort auf dem Boden, konnte sich vor Angst seiner Gestalt nicht entledigen. Er schluchzte, weil er etwas wusste was Doorn nie begreifen würde.
“So nennt man mich?“
Leichten Schrittes ging er auf den Dämon zu. Beugte sich zu ihm herab. „Dein Ende mein Freund ist erst der kümmerliche Anfang meiner Jagd. Du warst ein Prinz, sieh dich an, jammerst vor mir und liegst in deinen eignen Exkrementen. Ich werde deinesgleichen jagen und abschlachten wie Tiere. All das Leid werde ich den deinen heimzahlen. Werde euch lehren, dass das Brechen der Regeln nur Untergang bedeuten kann. Habt ihr wirklich gedacht dass Sie das Dulden würden. Sie die Herren der Dimensionen haben mich geschickt, um den Verbrechen ein Ende zu setzen. Trete nun vor deine Richter!" Der Unbekannte holte aus, spießte Belphagor mit seiner Waffe auf und hob ihn an so dass er aufrecht über dem Boden, langsam über die Klinge rutschte. Unter krampfartigen Zuckungen glitt der Körper über die Klinge zu Boden. Mehr Organe entleerten sich und der Dämon versuchte sich zu lösen, war der macht der Klinge aber nicht gewachsen. Unmenschliche Schreie drangen aus seinem geschundenen Körper, als die Klinge seinen Schädel durchtrennte. Gestank erfüllte die Luft, zu dem Geruch des Fleisches gesellten sich unbeschreibbare grauen. Energieentladungen zuckten von dem Stahl der Waffe, durch den Dom und erhellten ihn noch einmal so, wie er zu besseren Zeiten erstrahlt haben musste. Dann kehrte Dunkelheit ein.
Die Stimme in der Finsternis: „Weisst du, warum sie mich den Wissenden nennen, Diener der Leiche zu Terra!" „Rede nicht derart ...!" „Spar dir das, Mensch!” Der Ton war so zwingend das Doorn ihm gehorchen musste.
„Nein, ich weiss es nicht!”
„Ich weiß, dass all dies hier nie ein Ende haben wird, wenn nicht eine der Parteien verschwindet, welche die Krieg unablässig in das Universum trägt. Mensch oder Chaos. Ihr verletzt die fragilen Grenzen der Dimensionen und alles nur aus Unwissenheit. Ihr habt Ungleichheit gebracht." „Aber du bist ein Mensch, wie kannst du gegen den Imperator stehen, er ist das Licht...." „Derartiges werde ich nicht mit dir besprechen, dein Verstand ist zu klein. Behalte nur eins in deinem Bewusstsein, wer überleben wird, liegt nicht in euerer Hand, es hat nie in der Euren gelegen. Ihr könnt nur eure Chance erhöhen und diese liegen nicht darin das Leid zu mehren. Kämpft, aber kämpft mit eurem Verstand und nicht dem Wahnsinn, dem die Menschheit anheim gefallen scheint.“
Mit diesen Worten erhob sich der Unbekannte und wandte sich zum gehen.
„Wie ist dein Name, ich will deinen Namen wissen!“
Der Unbekannte drehte seinen Kopf und bevor er aus dem Bewusstsein der Menschen verschwand um auf die ewige Jagd zu gehen sagte er: „Früher da nannte man mich Beli!"


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